Unessa Tapatuu II
27. Nov. 2007- 03. Apr. 2008 - 22. Jun. 2008

Nein. Nicht wirklich. Lauri und Aki gehören mir immer noch nicht. Leider.
Der Rest ist aber wirklich meine. Ganz alleine meine…

*~*~*

Sanft plätschert das Wasser der Dusche auf mich hinab.
Wieso habe ich es wieder so weit kommen lassen?
Wieso tust du mir das immer wieder an?
Ach Aki, merkst du nicht, dass du mich damit verletzt.
Jedes mal sucht du dir jemanden zum ficken. Verschwindest mit ihr. Und nicht, dass dir das reichen würde. Nein. Du kommst dann noch mitten in der Nacht zu mir.
Warum? Verdammt. Warum lasse ich es zu. Warum gehe ich jedes Mal auf dich ein.
Ja, du erregst mich.
Ja, du machst mich willig.
Und ja verdammt, ich liebe dich.
Nur genüge ich dir nicht.
Nein.
Warum kommst du nicht gleich zu mir?
Warum immer erst ein Groupie?
Warum Aki? Sag mir doch wenigstens warum.

”Morgen Lauri. Was machst du denn da unten in der Dusche.” Was? Ooh. Ich lehne zusammengekauert in der Duschwanne und das Wasser rieselt immer weiter auf mich hinab. ”Nichts.”, knurre ich zurück. ”Ist ja schon gut. Ich lass dich ja in Ruhe. ... Zicke.”
Mein wütender Blick muss ihm als Antwort genügen.
Hoheitsvoll wende ich mich von ihm ab und gehe zurück in mein Zimmer und mache mich ausgehfertig.
”Aki mache hine. Wir haben in fünf Minuten Probe.”
”Werd einfach behaupten, du hättest wieder ewig im Bad gebraucht. Das glaubt sowieso jeder.” Jetzt reichts. Ich schnappe mir mein  Rucksack und schmeiße wütend die Tür hinter mir zu.

Wieso ist der schon wieder so fies zu mir. Ja, ich brauche lange im Bad. Na und. Nicht jeder ist in zwei Minuten fertig und sieht dann auch noch zum Anbeißen aus.
“He Jungs.“ Und schon habe ich mich auf der Couch verkrümelt. Die sollen sich heute nur mit ihren dummen Kommentaren zurückhalten.
“Wo hast du denn deinen Geliebten gelassen?“ Natürlich. Erol. Streu nur noch Salz in die Wunde. “Ist nicht mein Geliebter. Der stand noch im Bad.“, finsterer bekomme ich meine Stimme schon fast nicht mehr hin. Dieser sieht mich nur mit großen Augen an, bevor er zu Pauli geht und anfängt zu tuscheln.
Siedend fällt mir ein, dass man meine tiefe, raue Stimme auch anders deuten könnte. Verdammt.
Ach scheiß egal, Aki wird ihnen sowieso wieder irgendwas erzählen, da ist es doch eh egal, was ich sage oder mache.

Nach weiteren fünf Minuten des Wartens geht die Tür unseres Proberaumes wieder auf.
Ja, er ist es. Er hat es auch endlich geschafft. Er sieht mich aber nicht an oder entschuldigt sich mal bei mir. Nein. Er geht sofort zu Erol und Pauli und quatscht mit ihnen eine Runde.
“Wollen wir dann mal anfangen oder kann ich wieder gehen?“
“Man Lauri, was ist dir den für eine Laus über die Leber gelaufen?“ Laus? Laus. Das ist eine ziemlich große Laus mit schwarzen Haaren und Brille. Und dieser jemand kann mich mal.
“Lauri was ist denn nun? Erst drängeln und dann nicht kommen.“ Was? Oh. Sie stehen ja schon bereit.

Nein ich werde nicht zu ihm hinsehen. Aber er spielt schon wieder so. Da muss man einfach gucken. Soviel Kraft. Das geht voll durch.
Ein kleiner Blick kann doch nicht schaden oder.
Wau. Aki geht voll mit. Es sieht so aus, als währe er gar nicht mehr hier. Seine Augen sind halb geschlossen und sein Mund ist leicht geöffnet. Als würde er gleich kommen.
Ach Aki, was machst du nur mit mir?

“Ok Leute. Schluss für heute. Treffen wir und in drei Tagen wieder zur selben Zeit hier. So wie immer. He Lauri. Alles klar?“
“Jaja. Alles klar Erol. Bis in drei Tagen.“ Ich gehe an ihm vorbei und bin schon raus, bevor die anderen Beiden reagieren. Von dort aus führt es mich fast automatisch zu einem kleinen vergessenen Friedhof. Hier habe ich mich bisher immer zurückgezogen, wenn ich den Druck nicht mehr ausgehalten habe. Hier habe ich mir alles von der Seele geredet. Hier habe ich meine Ruhe. Nur meine Engel und ich. Niemand der mich fertig macht. Und vor allem kein Aki.

Wieder zurück in unserer Wohnung kommst du auch direkt auf mich zu.
“Mensch Lauri. Wo warst du verdammt noch mal?“ Was soll das denn jetzt. Was geht dich das denn an, wo ich war und wieso interessiert dich das auf einmal? “Was geht dich das denn an? Kannst wohl nicht los und dir jemanden zum ficken suchen, wenn du nicht weißt, dass ich hier brav auf dich warte oder was?
Das kannst du dir sowieso abschminken. Das war heute das letzte Mal, dass ich das mitgemacht habe.
Du kannst mich mal du Arsch.“
“Lauri verdammt noch mal. Was ist los mit dir? Du benimmst dich schon den ganzen Tag so komisch.“
“Raffst du es nicht? Raffst du es echt nicht? Du verletzt mich!
ICH LIEBE DICH DU ARSCH!!!!“ Weinend reise ich mich von ihm los und stürme in mein Zimmer um mich dort aufs Bett zu werfen und meinen Gefühlen wieder freien Lauf zu lassen.
Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.
Ich suche mein Messer. Nehme es und lege mich damit wieder auf mein Bett. Ein Schnitt nach den anderen. Schneide die dünnen weißen Linien wieder auf. Blut fließt. Es ist mir nicht wichtig. Ich brauch Ablenkung. Ich will die Schmerzen spüren. Alles andere ist egal.
Ich will diese Schmerzen spüren um mich von den anderen abzulenken. Nicht alles kann ich beeinflussen, doch hier bestimme ich das Maß. Ich und nur ich.
Immer mehr Blut fließt.
Einen Moment sehe ich ihm nur fasziniert zu, wie es sich in kleinen Bächen sammelt, von meinen Arm tropfen will.
Doch soweit lasse ich es nicht kommen. Ich lecke erst den Tropfen auf, dann fahre ich die Bäche entlang. Lecke meinen eigenen Lebenssaft wieder auf.
Wieder kommt das Messer zum Einsatz. Bald habe ich auf meinem Arm keinen Platz mehr. Überall sind schon Striche und dringt Blut hervor.
Einiges tropft auch vom Arm. Versinkt dann im Laken.
Mir wird immer schwindliger.
Immer verschwommener nehme ich meine Umgebung war.
Ich gehe in eine andere Welt
In eine Welt ohne dich.

*~*~*

Ein penetranter Geruch dringt an meine Nase. Angeekelt ziehe ich meine Nase hoch und bemerke dabei, dass irgendjemand neben mir liegt. Das riecht viel besser, als dieser blöde Krankenhausgeruch. Krankenhaus?
Ach ja, ich habe es wahrscheinlich übertrieben.
Wer liegt da eigentlich neben mir? Ist ziemlich warm. Strahlt ja wie ne Heizung.
Das riecht wie…wie Aki…?...Aki? Nun öffne ich doch nach einigem hin und her doch ein Auge.
Schwarze verwuschelte Haare liegen auf meiner Schulter. Noch einmal atme ich diesen Geruch ein, bevor ich ihm einen Schubs verpasse. Dumpf schlägt er auf dem Boden auf. “Autsch. Verdammt. Was…? Toll!...“ Erschrocken öffne ich nun doch auch das andere. Das ist wirklich Aki, den ich grad von der Bettkante gestoßen habe. J … Geschieht ihm ganz recht. Wegen ihm liege ich ja schließlich hier. Meine Augen schließend lasse ich mich wieder ins Bett fallen. Mal sehen, wie er reagiert.
Nach einem weiterem seufzen von ihm, scheint er aufzustehen.
“Ach Lauri. Schlag doch bitte deine Augen auf und sieh mich an. Laut dem Doc müsste es schon lange geschehen sein. … Er hat gesagt, dass es physische Probleme geben kann, die dies verhindern. Lauri bitte. Lass mich nicht allein. … Du hast ja Recht. Ich bin ein selbstverliebtes Arschloch, das auf deine Gefühle keine Rücksicht genommen hat. Ich…scheiße. Wie oft soll ich denn noch meine Schuld eingestehen? Es Tut Mir Leid. Wirklich. Glaub mir doch endlich.“ … Was mach ich denn jetzt?
Zuerst mal Augen auf.
“Lauri.“, flüstert er fast ehrfürchtig mit Tränen in den Augen.
“Lauri.“, flüstert er wieder. Langsam beugt er sich zu mir vor und haucht mir einen leichten Kuss auf die Lippen. Schon will ich ihn von mir wegstoßen, doch er löst sich schon wieder von mir und sieht mich wieder so traurig an. “Es tut mir so Leid Lauri. So leid.“ Er scheint tief in Gedanken zu sein.
“Wann kann ich hier raus?“, frage ich ihnen, ohne auf seine Entschuldigungen einzugehen. Erschrocken zuckt er zusammen, dann reist er erstaunt seine Augen auf. Er scheint erst jetzt zu realisieren, dass ich `wach´ bin.
“Ich weiß nicht.“ stottert er dann zusammen. “Ich geh fragen.“, meint er wesentlich gefasster. “Ich will hier raus. Lass deine Beziehungen spielen Hakala.“, rufe ich ihm noch zu, als er die Tür öffnet. Er blickt mich zweifelnd an, doch dann nickt er zögerlich. Das hätte ich dir auch geraten.

Leise geht die Tür auf. Herein kommt als erstes ein Herr in weiß und dann er. “Ich würde gern allein mit ihm reden.“, wendet er sich jedoch wieder an ihn. Hallo? Ich will hier raus! Und nicht noch Stunden sinnlos rumsitzen und mich volllüllen lassen.

*~*~*

“Lauri?“
“Hier.“, rufe ich ihm vom Bad aus zu.
Aki drückt die Klinke leicht runter. “Ich komm rein. Ok?“
“Hmm.“ Erst jetzt öffnet er die Tür vollständig und kommt zu mir ins Bad hinein.
Durch den Spiegel kann ich jede seiner Bewegungen genaustens beobachten.
“Aki.“ “Lauri.“ Gleichzeitig sprechen wir den Namen des anderen aus. “Du zuerst.”, fordere ich ihn auf zu sprechen, nachdem ich mich zu ihm herum gedreht habe. “Ich-Ich…Lauri ich…“, nervös zucken seine Augen hin und her, bis sie mich schließlich fest fixieren. “Aki. Lass uns nach Hause gehen.“, sage ich während ich mich wieder zum Spiegel umdrehe und mir meine Mütze aufs Haupt stülpe.
Er hat echt an alles gedacht.
Wenn ich mir das hier so genauer ansehe,… “Lauri. Ich…Hier ist dein Handy.“, dabei kam er auf mich zu, umarmt mich. Nein, er schlingt seine Arme an meiner Hüfte entlang um meinen Körper und hält mir mein Handy hin. “Nimm deine Hände da weg.“, presse ich unter zusammengebissenen Zähnen heraus. Sofort zuckt er zusammen und sieht mich durch den Spiegel mir großen Augen an. Er lässt mich erschrocken los und rückt ab. Erst drei Schritte hinter mir bleibt er stehen. Ich drehe mich zu ihm um, nehme mein Handy aus seiner Hand und gehe zur Tür.
“Lauri.“, flüstert er mit tränen erstickter Stimme.
Ich packe sein und mein restliches Zeug zusammen, rufe ihn noch einmal und stürme dann zur Tür. “Lauri. Wir müssen noch  mal zum Doc. So schnell geht das nicht.“ Wütend drehe ich mich zu ihm um. “Lauri, du musst nur noch unterschreiben. Alles andere habe ich schon geregelt. Lauri…“ Immer leiser wird seine Stimme, bis sie schließlich ganz versiegt.
Wortlos drehe ich mich um und stürme aus dem Zimmer. Weiter den Gang entlang. Kurz vor dem Fahrstuhl werde ich am Arm gepackt und herumgerissen.
“Lauri verdammt noch mal. Da rein.“ Und schupst mich in ein Zimmer herein.

“Ah Herr Ylönen.“ begrüßt er mich freundlich, doch ich zicke ihn sofort an und frage ihn, wo ich denn nun noch unterschreiben muss. Etwas verwundert zieht er eine Augenbraue hoch und reicht mir dann ein Klemmbrett mit vielen verschiedenen Zetteln.
Aki hatte Recht. Er hat wirklich schon alles fertig ausgefüllt. Ich muss wirklich nur noch unterschreiben.
So schnell ich kann, setze ich überall meine drei Kreuze und reiche ihm dann alles zurück. “Kann ich jetzt gehen?“
“Ja. Es ist bereits alles mir ihrem Freund besprochen worden. …“ Wortlos drehe ich mich um und gehe. Ich höre noch, wie „Diva“ leise hinter mir geflüstert wird, dann stehe ich wieder im Flur.
Aki steht mit angewinkeltem Bein an der Wand angelehnt. Ich gehe an ihm vorbei, wieder auf zum Fahrstuhl, der mich raus bringen soll.
Und was dann?
Irgendetwas fehlt. … Aki.
Wutschnaubend drehe ich mich um. “Aki!“ steht der doch nicht etwa immer noch am selben Fleck! Erschrocken sieht er sich um, dann kommt Bewegung auf.
Er kommt auf mich zu.
*Klong* Zumindest ist der Fahrstuhl mittlerweile da. Schweigend fahren wir ins Erdgeschoss und vor dort ab gehen wir genauso schweigsam weiter zur nächsten Tramp-Station.
Wenn diese blöde…aah sie kommt doch schon. Sogar eine, mit der wir dann nicht so weit laufen müssen.

*~*~*

Bei uns verkrümmel ich mich sofort in mein Zimmer.
Ich will ihn nicht sehen.
Nein. … Oder doch?
Verzehre ich mich nach ihm?
Im Prinzip schon, aber er benutzt mich ja nur.
Er fühlt nicht das, was ich für ihn empfinde.
Wird er nie.
Ich war nur zu blind um das zu sehen.
Ich wollte es nicht wahr haben.

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