15. März 2008- 17. August 2008

(zufrieden bin ich mit dem Bild nicht…
…habe aber auch i.M. nicht weiter Zeit dafür.... )




Das original Bild ist von Victoria Francés!


zum Verständnis noch eine Anmerkung: Sie ist eine Hexe

~+~+~

Kapitel 1: Sie und ich
Noch immer höre ich ihren Ausruf in meinen Ohren. Wie ich sie verlassen könne, wo ich doch ihr gehöre. Ich sagte ihr, dass ich ihr nie gehören werde, ich nie jemanden gehören werde, ich immer frei sein werde und ich mich nur an den binden werde, den ich will. Nur ich werde entscheiden, mit wem ich zusammen bin und niemand sonst. Und dass dieser jemand nicht sie sei, sondern mein bester Freund. Sie hat nur höhnisch gelacht und ihre Worte wiederholt.
Das habe ich nun davon…
Mein bester Freund ist tot.
Und ich? Ich bin klein, schwarz und ihrer Aussage nach unsterblich.
“Weil ich sie doch so gern habe.“, hat sie gemeint.
Nun bin ich selber einer von ihnen.
Nur, dass ich immer hier sein werde.
Ein Gefangener…ihr Gefangener…ihr Spielzeug…
Sie liebst es mich zu quälen und mich leiden zu sehen. Wie sehr wünsche ich mir doch den Tod. Lass mich doch endlich sterben. Ich will zu ihm und vor allem weg von ihr.



Wieder bin ich an deinem Grab. Ich besuche dich jeden Tag. Will einfach nur weg und bei dir sein. Ständig habe ich das Gefühl, dass du noch bei mir bist. Ständig habe ich dich vor Augen und rieche deinen unverwechselbaren einzigartigen Duft. Gestern dachte ich, dass ich dich hinter mir im Eis des Fensters gesehen habe. Doch als ich mich rumgedreht habe, war ich allein im Raum. Wahrscheinlich hat mir meine Wahrnehmung nur einen Streich gespielt.
“He Lauri.“ Sie? Was macht sie denn hier? Und dann noch zu dieser Zeit? Nein, ich werde sie nicht begrüßen. “So mies gelaunt heute? Egal. Ich bin hier um dich zu holen. Du hast es sicher vergessen, aber ich habe eine Einladung zu einer Party, zu der ich gehen werde.“
Ich weiß schon, was das wieder für mich bedeutet: Ständig irgendwelche Leute, die mich betatschen. Sie weiß, dass ich es hasse von Leuten berührt zu werden. Schon als ich noch ein Mensch war, hatte ich mich immer zurückgezogen und kaum einen an mich heran gelassen, doch genau deswegen muss ich jedes Mal mit. Sie liebt es mich zu quälen. Ich hasse sie so sehr.

Sie werden ihr wieder alle zu Füßen liegen. Sie verzaubert sie alle. Ihre langen schwarzen Haare. Ihr liebliches Gesicht. Ihre schlanke Figur, die sie immer wieder einsetzt um an ihr Ziel zu kommen.
Nur ich kenne ihr wahres Gesicht. Schon als ich sie das erste Mal sah, wusste ich, dass ich mich von ihr fern halten sollte.
Ich weiß immer noch nicht, wie sie auf die blöde Idee gekommen ist, dass wir eine Beziehung hätten. Das war nie so. Sie hat mich nie in der Richtung interessiert. Für mich gab es immer nur einen. Den, den sie getötet hat.

“Komm endlich!“ Schwerfällig erhebe ich mich und fliege auf sie zu. Wie gerne würde ich ihr die Augen auskratzen, doch bevor es soweit wäre… “Würde ich dir so viele Schmerzen zufügen, dass du nie wieder auf den Gedanken kommst.“ Ach ja. Das hätte ich schon fast vergessen zu sagen. Sie kann Gedanken lesen. Widerwillig lasse ich mich gleiten und komme ihr dabei immer näher.

Kapitel 2: Nein!
*Iiiiiih.* Endlich überstanden. Sie hat Erbarmen und verabschiedet sich von allen. Nein! Schon beim ersten, bei dem sie sich verabschiedest werde ich wieder betatscht. Haben die nicht bald genug? Kaum ist einer weg, wird mir schon wieder in meinen Federn rumgewuselt. Keine einzige Minute habe ich meine Ruhe. Doch irgendwann ist auch dieses Übel überstanden und wir sind bei ihr. Als wäre das nicht genug, muss ich schon seit Jahren mit ihr leben, doch ich habe nichts zu melden. Ich bin ja schon froh, wenn sie mich nicht beachtet und somit in Ruhe lässt.
Sofort verschwinde ich im Bad. Versuche meine Federn wieder zu ordnen und zu putzen. Glauben die, die können alles in meinen Federn abwischen oder was? Wenn ich an die Kleine denke, die mit ihren total dreckigen Schokoladenfingern, da wird mir gleich schon wieder schlecht. Hätte sie mich nicht dazu gezwungen, mich auch von ihr berühren zu lassen, ich währe aus dem nächsten offenen Fenster verschwunden. Alles total voller Schokolade. *Bääh.* So kann ich doch nicht fliegen. Was denken die sich nur?!
“Lauri!“
Ihre Stimme schallt durch die Luft. Mit der Betonung, dass ich sofort erscheinen soll. Etwas unkoordiniert, da einige meiner Flügel noch nass oder verklebt sind, fliege ich zu ihr ins Wohnzimmer, lasse mich auf dem Tisch nieder und sehe sie fragend an. Ein dämonisches Lächeln umspielt ihre roten Lippen, die nichts gutes verlauten.
“Ich habe einen Auftrag für dich. Dafür gebe ich dir sogar deinen menschlichen Körper. Und wenn du den Job zu meiner Zufriedenheit erledigst, bekommst du ihn immer für die Zeit, in der du dich hier aufhältst. Aber nur hier.“ Dabei zeigt sie in ihrer Wohnung umher. Wie kann es auch anders sein. Alles wo sie Zugeständnisse macht, hat mindestens einen Haken. Doch ich habe Angst davor, was sie als Gegenleistung dafür verlangt.
“Dein Auftrag ist sogar ziemlich simpel. Du musst nur jemanden verführen und ihn dazu bringen, mit hier her zu kommen. Eigentlich nicht schwer.“
Ich soll…Fassungslos sehe ich sie an. Warum? Und vor allem wem?
“Das warum hat dich nicht zu interessieren. Wer? Den Typen, der mich vorhin so eiskalt abblitzen lassen hat. Akkan Durranin.“
Oh nein! Ich werde niemanden verführen! Es reicht schon, wenn ich mich immer berühren lassen muss. “Überlege dir deine Worte Vögelchen! Aber ich will mal nicht so sein. Für die Zeit, die du brauchst um ihn zu verführen, musst du als Rabe auf keiner Party mit auftauchen.“
Aber als Mensch nicht war?
“Ja natürlich. Doch hast du als Mensch von anderen das Recht auf etwas Abstand.“
Wieder Mensch sein. Das wäre wunderbar, aber dafür? Nein, ich mache es nicht! Kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, wird mein Körper von Schmerzen durchzogen.

Ich erwache in einem kleinen Vogelbauer. Bei jeder noch so kleinen Bewegung ziehen Schmerzwellen durch meinen Körper. Anscheinend hat sie mich ganz schön zugerichtet, denn selbst zum Hinsetzen bin ich zu schwach. Sie hat mich schon oft bestraft. Schmerzen, Flugverbot, Zimmer- und Wohnungsarrest, aber so hat sie mich noch nie eingesperrt. Sie hat mich eigentlich noch nie eingesperrt, wenn sie mir Schmerzen zugefügt hatte.
Ist es ihr so wichtig oder hat sie mich über? Ich weiß es nicht und um mir weiter Gedanken zu machen, bin ich zu schwach, denn schon umhüllt mich der heilende Schlaf.
Als ich meine Augen wieder öffne, brauche ich einen Moment um mir klar zu werden, warum ich meine Umgebung, die in einen sanften Rot-Ton der Abendsonne getaucht wird, durch ein Gitter wahrnehme. Dieses Mal schaffe ich es aufzustehen. Sofort sehe ich sie. Sie sitzt knutschend mit einem Mann auf dem Sofa. Als es intimer wird, drehe ich mich demonstrativ der Wand zu. Nichts desto trotz höre ich trotzdem, was sich da hinter mir anspielt. Schon höre ich ihre Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich meine Meinung noch ändern kann. Pah! Vergiss es! Wieder werde ich wieder von Schmerzen durchzogen. Sie scheinen immer stärker zu werden oder ich immer schwächer. Wahrscheinlich eher Letzteres. Ich kann nicht mehr…Wieder werde ich in die Schwärze gezogen. Nichts nehme ich mehr wahr.
Beim nächsten Erwachen brauche ich keine Minute um mich wieder an alles zu erinnern. Jede noch so kleine Bewegung schmerzt. Am liebsten würde ich aufhören zu atmen. Es tut viel zu weh. Warum tue ich es dann nicht einfach? Was hält mich denn noch am Leben? Genau…nichts. Ich halte die Luft an, aber sofort höre ich sie, wie sie mir befielt mit dem Scheiß aufzuhören, da es eh keinen Sinn hat.

“Es tut mir leid.“
Was denn?
“Wie ich dich zugerichtet habe.“
Ich öffne meine Augen. Das kann doch nicht wahr sein…Sie hat sich noch nie für etwas entschuldigt…Und schon gar nicht bei mir. Doch selbst nur das Augenöffnen bereitet mir Schmerzen. Ich sehe sie an. Ich liege in ihrem Schoß. Aber, wo ist denn mein Schnabel. Warum sehe ich ihn nicht? Mein Blick gleitet von ihrem Gesicht zu meinem Körper. Ich bin wieder ein Mensch. Warum? Ist das Letzte, was ich denken kann, bevor ich wieder in Ohnmacht falle.
Wieder erwache ich. Spüre wieder nichts außer Schmerzen und die Verbände, die an meinem Körper kleben.
“Lauri? Gott sei Dank. Du bist wach.“
Warum? Warum?! Mir ist so schlecht. Was hat sie nur mit mir gemacht?
“Lauri hör zu. Du musst das essen. Auch wenn du Schmerzen hast. Bitte iss es.“
Ich drehe mich von ihrer Stimme weg. Will es nicht. Sie soll ruhig sehen, was sie getan hat. Meine Schmerzen werden wieder unerträglich.

Verdammt! Mir ist so warm.
“Du hast Fieber. Du hast drei Tage durchgeschlafen. Du musst etwas essen. Lauri verdammt. Gehorche. Iss.“
Ich will nicht. Ich bin kein Hund, denn man hin und her schickt, ihn tritt und der dann wieder für Leckerchen angekrochen kommt.
Wieder triefte ich ab.
Ab und zu fließt etwas kühlendes meine Kehle hinab und lindert den Schmerz, doch richtig wach werde ich nicht. Ich bin gefangen in meinen Erinnerungen. Wie wir zwei am Strand lagen und Cocktails schlürften. Wie wir uns das erste Mal geliebt haben. Wie wir uns kennen gelernt haben. Unsere erste gemeinsame Probe. Unser erstes gemeinsames Konzert. Deine Nähe. Deine Wärme. Deine Worte, wenn ich wieder einen Albtraum hatte und du mich getröstet hast. Deine Späße. Deine liebevollen Finger auf meinem Körper. Dein Gesicht. Verschwitzt und glücklich. Wenn du gekommen bist. Wenn du mich angesehen hast und deine Augen mir sagten, dass du mich liebst. Alles bunt durcheinander. Und immer wieder zwischen diesen schönen Augenblicken die Erkenntnis, dass du tot bist. Nur am Rande nehme ich wahr, dass auch sie mit mir spricht. Mir befiehlt aufzuwachen. Nein, ich will nicht auf sie hören. Doch sie hat recht. Ich kann mich nicht immer verkriechen. Ich gehöre ihr, so sehr ich mich auch dagegen wehre. Pah. Ich gehöre niemanden!
“Du gehörst mir! Gehorche und erwache. Ich befehle es dir.“
“Lauri verdammt. Wach auf!! Löse dich von deinem Schlaf.“
Sie sagt nur Schlaf. Sie weiß nicht wovon ich grade träume, denn sonst würde sie ihn direkt ansprechen. So wie damals, als dein Tod noch ganz frisch war und ich dauernd in Tagträumen versunken bin. Sie kann meine Gedanken nicht lesen? Seltsam. Es muss wirklich was ernstes sein, was sie blockiert.
Jedes Mal habe ich das Gefühl, ich verliere. Immer deutlicher höre ich sie. Sie scheint wieder die Oberhand zu gewinnen. Immer öfter höre ich sie in meinem Kopf. Sie zwingt mich an die Oberfläche. Die Schmerzen sind nur noch leicht.
Irgendwann öffne ich die Augen. Gehorche ihr somit wieder einmal. Sofort erscheint sie in meinem Blickfeld.
“Wie fühlst du dich?“ Von mir bekommt sie nur ein Knurren.
“Es scheint dir besser zu gehen. Bereit jetzt was zu essen?“
Wieder drehe ich mich von ihr weg. Ich will nicht. Doch als sie mit einem Teller Suppe wiederkommt wird mein Widerstand immer kleiner. Sie riecht so lecker. Wann habe ich das letzte Mal Suppe gegessen? Ewig nicht mehr. Auch noch meine Lieblingssuppe… Gib her! Ich will mich aufrichten, doch ich schaffe es nicht. Bin viel zu schwach dazu. Wo liege ich hier eigentlich? In ihrem Bett? Nein! Nicht das auch noch. Ich war schwach. Hilflos. Ich konnte mich doch gar nicht wehren. Ich will nicht in ihrem Bett liegen.
“Reg dich wieder ab. Das ist nicht mein Bett. Doch eigentlich schon. Zumindest habe ich es von meinem Geld gekauft. Sieh dich doch mal um.“
Ich schaue mich langsam im Zimmer um. Nein, das ist wirklich nicht ihr Zimmer, dazu ist es viel zu sehr nach dem Geschmack eines Mannes eingerichtet. Sie mag solche Sachen glaub ich nicht so sehr.
“So, dann wäre das ja geklärt und du kannst in Ruhe essen.“
Jetzt bleibt nur noch die Frage, wenn ich nicht in ihrem Bett liege, wer schläft sonst hier drin und wo steht es?
“Lintu iss! Mach dir später Gedanken.“
Da ich im Moment sowieso nichts an dieser Tatsache ändern kann, versuche ich mich aufzurichten. Dies gebe ich jedoch nach dem dritten erfolglosen Versuch total geschafft auf. Sie kommt zu mir. Bei ihrer Berührung zucke ich zusammen.
“Nana. So schreckhaft heute?“
Sie kommt noch einmal näher zu mir, nachdem sie mich aufgerichtet hat und gibt mir einen Kuss auf die Wange. Voller Ekel drehe ich zumindest mein Gesicht etwas von ihr weg. Sie fährt meine Gesichtskonturen nach, bis die an meinem Kinn stoppt und mich zwingt sie anzusehen. Sie hat sich die Haare gefärbt. Zumindest scheinen sie gerade rötlich zu sein. Bestimmt wieder nur eine Täuschung meiner Augen.
“Iss jetzt!“, fordert sie dann in ihrem Befehlston.
Nicht wollend, dass sie mich auch noch füttert, zwinge ich meinen Arm den Löffel immer wieder vom Teller zu meinem Mund zu schaffen und dabei möglichst wenig zu verschütten. Immer schlimmer zittere ich dabei, doch ich schaffe es den kleinen Teller ohne ihre Hilfe leer zu essen.
“Brav.“, ist ihr einziger Kommentar, als ich fertig bin und sie anschließend mit dem Teller verschwindet. Geschafft lasse ich mich zurück ins Bett fallen. Versinke wieder in Tagträumen.

Seit vier Tagen geht das jetzt schon so. Ich darf nicht aufstehen. Ich habe Zimmer- oder besser Bettarrest. Den hat sie mir erteilt, als ich aufgestanden bin um das Fenster zu öffnen und mir dabei wieder schwarz vor Augen geworden ist. Was hat sie nur? Sie hat sich noch nie um andere gekümmert und nun erdrückt sie mich fast mit ihrer Fürsorge. Ist dies eine neue Strategie, mich zu quälen?
“Lauri-Schatz.“, wieder zucke ich bei dieser Anrede zusammen. “Komm wir müssen gehen.“
“Wohin denn?“
Ich darf wirklich aufstehen? Ich fasse es nicht.
“Ich werde dich jetzt wieder in einen Raben verwandeln. Du setzt dich irgendwo hin und wir gehen einkaufen.“ Einkaufen? Mit mir als Rabe. Ich durfte doch nicht mal das wieder Menschsein genießen. Sie hat kein Mitleid. Ein paar Worte von ihr und ich habe wieder einen Schnabel im Blickfeld. Beleidigt krächze ich auf.
“Jetzt höre auf zu jammern. Wir brauchen Lebensmittel und die bekommt man nun mal nur im Supermarkt. Und da ich dich nicht alleine lassen kann, musst du mitkommen.“
Mich nicht alleine lassen kann? Pah! Dass ich nicht lache! Fast sanft hebt sie mich vom Bett auf und setzt mich in ihre Tasche, die sie zum Glück offen lässt. Vielleicht sehe ich etwas von der Wohnung, denn ihre Alte ist das nicht. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass sie so eine Umgebung hatte und auch so eingerichtet war.
Wo sind wir hier eigentlich? Ich erkenne nichts. Geschäfte, Gebäude, Straßennamen nichts sagt mir etwas. Es ist, als wenn ich noch nie hier gewesen wäre. Wo sind wir denn nun?

Als sie immer noch nicht regiert, beginne ich zu krächzen.
“Jetzt halte endlich deinen Schnabel. Wenn es dir besser geht, machen wir einen Spaziergang. Dann zeige ich dir alles. Vorausgesetzt, du bist artig.“
Wenn sie damit meint, dass ich ihr gehörig sein soll, kann sie es gleich vergessen. Ich finde schon irgendwie heraus, wo wir jetzt sind.
Anscheinend sind wir im Supermarkt angekommen. Viele fremde Gerüche dringen an meinen Schnabel. Rufen Erinnerungen an dich wach.
“Mann träumst du schon wieder? Ich habe dich gefragt, was du trinken möchtest.“
Egal. Was Leckeres.
“Und was ist lecker?“
Bier auf alle Fälle, Schnaps, irgendwas halt. Alles ist lecker, wenn man jahrelang nur Wasser zu trinken bekommen hat.
“Schon mal 'nen besoffenen Vogel gesehen?“, hat sie immer geantwortet, wenn ich Bier oder Schnaps wollte.
Auf dem Rückweg trägt sie mich größtenteils im Arm. Nur den Rest setzt sich mich auf eine Tasche. Dies hatte sie getan um beide Hände freizuhaben und einen anderen Mann umarmen zu können. Ob das ihr Neuer ist?

“So, Lintu.“
Sie lässt die Beutel aus ihren Händen fallen und nimmt mich von ihrer Tasche und setzt mich auf den Küchenboden. Wieder einige Worte von ihr und ich bin wieder ein Mensch. Warum eigentlich? Ich habe ihren Auftrag doch gar nicht erfüllt. Oder doch?
“Woah. Bleib liegen.“
Was hat sie denn nun schon wieder? Trotz ihrer Worte richte ich mich weiter auf.
“Kannst du nicht wenigstens einmal gehorchen?“, fragt sie mich, als ich neben ihr stehe. Sofort fangen meine Knie an zu zittern. Wollen ihren Dienst versagen. Rasch lasse ich mich auf einen Stuhl fallen. Lass mich doch. Ist doch mein Leben.
“Falsch. ES ist meines. Du gehörst mir! Merk dir das endlich.“
Bla bla bla. Schon früh habe ich gelernt, wenn sie schimpfen will, sie einfach reden zu lassen und ja nicht wegzusehen. “Hörst du mir überhaupt zu?“
“Ja natürlich. Wie könnte ich nicht?“
Oh nein. Meine Stimme trieft vor Ironie. Gar nicht gut. Zitternd holt sie Luft. Ihre Nasenflügel beben. Gleich wird sie anfangen rumzuschreien und Sachen durch die Gegend zu werfen.
Was ist den nun schon wieder? Wortlos dreht sie sich rum und geht.
Hat es in ihren Augen geglitzert? Sollte sie weinen? Kann sie das?
Ich erhebe mich und folge ihr mit zitternden Knien.
Wo denn jetzt lang? Das da vor mir müsste mein Zimmer sein. Hinter mir ist die Küche. Aber welche von den restlichen vier Türen nehme ich nun?
Eine nach dem anderen, sonst komme ich auf keinen Nenner.
Erste Tür: Bad.
Zweite Tür: Sieht aus wie ein Wohnzimmer.
Dritte Tür: Sie. Sie liegt auf einem Bett. Also anscheinend ihr Zimmer. Ich stehe im Türrahmen. Immer stärker zittern meine Knie. Sie richtet sich auf. Ihre Schminke ist verlaufen. Fassungslos sehe ich sie an, erst dann bemerke ich, dass noch immer Tränen über ihr Gesicht kullern.
Meine Knie knicken weg. Ich bin einfach zu schwach. Wieder kommt in mir die Frage auf, was sie mit mir gemacht hat, dass ich so schwach bin. Das ist doch nicht normal!

Als ich erwache, liege ich wieder in dem Bett. Hoffentlich fragt sie nicht, was ich in ihrem Zimmer wollte oder was ich von ihr wollte.
Mühsam erhebe ich mich und gehe dann zu dem geöffneten Fenster.
Ob ich mich wohl wieder verwandeln werde, wenn ich springe? Oder werde ich wie ein nasser Sack zu Boden fallen? Kaum will ich auf das Fensterbrett klettern, umschlingen mich zwei Arme und halten mich zurück. Sofort versteife ich mich. Gleichzeitig wird mir ein “Untersteh dich!“ ins Ohr geflüstert, worauf ich eine zentimeterdicke Gänsehaut bekomme.
Langsam drehe ich meinen Kopf. Sie steht ja gar nicht hinter mir?? Wie? Oh nein! Sie ist schon wieder stärker geworden?! Ist sie deshalb so fürsorglich, weil sie mich gar nicht so sehr verletzen wollte, es aber getan hat weil sie ihre Kräfte nicht richtig eingeschätzt hatte?

Gibt es jetzt noch Orte, wo ich meine Ruhe haben kann? Orte, wo sie nicht ist? Orte, wo sie mich nicht kontrollieren kann und mir Befehle erteilt?

Die Tür wird geöffnet und herein kommt natürlich sie. Sie wendet sich jedoch noch mal um und sagt zu jemanden, dass sie gleich wiederkommt. Nun wendet sie sich mir zu. Ihr Blick ist eiskalt, als ein “Wehe!“ von ihr kommt und sie kurz zum Fenster blickt. Danach deutet sie auf das Bett und sie hängt noch ein “Ab marsch!“ und “Bleib ja liegen.“ dran. Wer das wohl da draußen im Flur ist? Er scheint sich zu bewegen und sich die Bilder anzusehen, die im Flur hängen.
“Das, mein Lieber, ist eigentlich kein Thema das dich zu interessieren hat, aber da es dich auch etwas betrifft, werde ich es dir sagen. Das da draußen ist dein Auftrag. Ich erkläre dir nachher, wie es passiert ist, doch du musst unbedingt wieder zu Kräften kommen.“
“Und das soll ich, wenn ich mich nicht bewegen darf?“
“Schone dich noch etwas. Wir gehen dann spazieren.“
Sie dreht sich um und verschwindet. Fassungslos sehe ich ihr noch einen Moment nach, bevor ich wieder zum Fenster gehe.
Was sie wohl mit ihm macht?...Nein, ich will es gar nicht wirklich wissen.

Kapitel 3: Wieder Mensch
Die Wohnungstür schlägt zu und kurz darauf wird meine Zimmertür geöffnet.
“Hier sind Sachen. Zieh die an.“ Sie wirft mir einen Stapel Sachen aufs Bett. Beim Rausgehen kommt noch ein “Beil dich!“ von ihr, dann ist sie raus. Ich gehe zum Bett und sehe mir an, was ich anziehen soll. Eine Hose mit Ketten, ein T-Sirt mit durchsichtigen Einsätzen und zu meiner Verwunderung auch eine Mütze. Die selben Sachen, mit denen ich früher auch rumgerannt wäre. Sachen, die mir gefallen. Sachen, die mir mal gehört haben könnten… Verwundert schüttel ich den Kopf….Was ist nur in sie gefahren?
Sachen an und noch ins Bad ihr Schminkzeug benutzen.
Kajal, Mascara und noch etwas Liedschatten. Natürlich alles schön schwarz. Noch Mütze auf und irgendwie bin ich noch nicht zufrieden mit meinem Äußerem. Was fehlt denn noch?...Schmuck. Ketten, Ringe, mindestens ein paar Ohrringe!! Nur wo bekomme ich jetzt paar her?
Sie fragen, ob ich ein paar von ihr bekomme? Nee.
Sie fragen, ob wir noch ein paar für mich kaufen können? … Auch blöd!
“Lintu!!! Wie lange brauchst du noch??? Ich will los.“ Sie streckt ihren Kopf ins Bad rein. “Man eh! Was trödelst du denn noch? …
Ohrringe???“ Oh! He! Ja. Eigentlich schon…also… Verlegen senke ich den Kopf. “Tja, ich glaube nicht, dass ich welche für dich habe…wir gehen dir welche kaufen, aber…“ Das musste ja kommen! “…du gehst mit mir dann Shoppen, wenn es dir besser geht.“
“Aber nur, wenn ich mir auch was raussuchen darf.“
“Hmm ok, paar Sachen für dich und paar für mich. Dann sieht es in deinem Kleiderschrank nicht mehr so leer aus.“ Meiner??… “Ja. Habe ich dir das noch nicht gesagt? Das Zimmer, dein Zimmer gehört dir. Ich habe es für dich eingerichtet. Deswegen sind wir doch auch umgezogen.“ Oha. Interessant.
“Ok, wenn das jetzt geklärt ist, können wir ja los.“

Unterwecks erzählt sie mir wo wir uns hier befinden und einiges über die Umgebung.

“So wir sind da. Versuche dich bitte zu beeilen ja.“ Sie betritt vor mir den Laden und begrüßt den Besitzer. Sie stellt mich Mikko vor und sagt ihm, dass wir Schmuck für mich brauchen.
Dieser verschwindet sofort und kehrt mit einer unglaublichen Anzahl von Kisten und Schachteln wieder.
Wau!! Immer weiter wühle ich mich durch das Angebot, finde immer neue schöne Ketten, Armbänder, Ohrringe und Ringe. Bei dieser ganzen Auswahl fällt es mir schwer mich zu entscheiden, was ich nun nehme.
“Lauri nimm mit, was dir gefällt, nur entscheide dich bitte. Ich habe noch einen Termin.“, raunt sie mir leise zu. Einen Termin? Oh nein! War ja klar, dass es einen Hindergrund hat, dass ich als Mensch mit raus darf, Sachen bekomme und mich sogar jetzt noch mit Schmuck eindecken darf.
Immer größer wird mein Haufen der näheren Auswahl.
Zum vielleicht zehnten mal in drei Minuten sieht sie auf die große Uhr, die über der Tür hängt.
“Wir nehmen das.“ und zeigt dabei auf meinen Stapel der näheren Auswahl. Mikko und ich sehen sie einen Moment geschockt an, bevor wir beide gleichzeitig fragen, ob sie alles meint. “Ja. Pack alles ein, was ihm gefällt.“
“Das kannst du doch nicht machen.“
“Ist mein Geld oder?“ Ja, sie hat ja recht, aber wieso gibt sie das für mich aus?...Was verspricht sie sich davon?...Mikko hat derweil alles in kleine Tütchen gepackt, die er nun noch in eine große steckt. “Das macht dann insgesamt 523,00 €“ Wortlos reicht sie ihm das Geld. Fassungslos sehe ich auf den Batzen Geld, das den Besitzer wechselt. Wie viel hat die denn immer so bar einstecken?
“So können wir jetzt?“, fragt sie mich, als ich mir wieder einiges aus der Tüte genommen habe und es seinen Platz an meinem Körper gefunden hat. Ich nicke und schon zieht sie mich hinter sich her zu einem Nobelrestaurant. “Was soll ich denn da?“
“Jetzt hab dich nicht schon wieder so…das geht hinten noch weiter, aber wenn du möchtest, können wir hier gerne noch etwas essen, bevor wir hintergehen.“ Sie macht mir schon wieder total angst. Was kommt noch, dass ich jetzt so Halbwegs normal behandelt werde?...Sie fragt sonst nicht, was ich möchte, da sagt bzw. befiehlt sie es immer und nun, da fragt sie mich was ich will…hat mir haufen Schmuck gekauft…und nun lässt sie sich die Chance entgehen, mich zu quälen???
“Keine Sorge, ich bekomm schon, was ich will.“
“Ich hasse dich.“
“Oh, ich weiß und trotzdem wirst du mir gehorchen und meine Befehle ausführen.“
“Wenn du glaubst, dass ich durch meinen Körper, den Sachen und den Schmuck zu kaufen bin, hast du dich geschnitten. Ich mache immer noch, was ich will.“
“Jaja, tob dich aus. Zumindest heute noch. Ab morgen, wirst du beginnen einen Job zu erledigen. Egal wie sehr du dich dagegen sträuben wirst.“
“Hackts jetzt vollkommen? Du kannst dir abschminken, dass ich irgendjemanden für dich verführen werde.“
“Jaja…wer redet denn immer nur vom verführen? Es gibt auch andere Sachen, die du für mich erledigen kannst und musst.“ Ihr dämonisches Lächeln verheißt schon wieder nichts Gutes. Was sie wohl vorhat?

Kapitel 4: Akis Geburtstag
“Lauri ich wünsche dir viel Spaß, genieße den Abend. Wir sehen uns Punkt 3 wieder hier am Eingang klar. Hier hast du noch ein Handy. Du kannst es erst mal behalten.“ und schon ist sie unter den anderen Menschen verschwunden.
Naja, zumindest ist es ein normaler Club.
Und was mache ich jetzt? Hoffen das mich jemand einlädt, da ich kein Geld habe und auch keins bekommen habe?
Sie taucht noch einmal neben mir auf und streicht mir über das Gesicht, welches ich wieder voller Ekel wegdrehe. Doch da steckt sie mir auch schon etwas in meine Arschtasche.
Genauso schnell, wie sie gekommen ist, ist sie auch wieder verschwunden. Verwundert greife ich in die Tasche und hole zu meinem Erstaunen ein Portmonee heraus. Ich gehe wieder heraus und dort zu den Toiletten, um zu sehen, wie viel ich bekommen habe.
Fünf Zwanziger! Wau, das hätte ich jetzt nicht gedacht.
Zu meinem erstaunen sehe ich noch etwas in dem Portmonee. Ich ziehe es heraus und halte einen Personalausweis in meiner Hand. Verwundert sehe ich ihn mir an. Lauri Ylönen. Das…das …ich…wau!. Sogar meinen Geburtstag hat sie gelassen, Naja fast. Zehn Jahre später, als ich wirklich geboren wurde, naja ich sollte mich wegen des Alters nicht beschweren. Es würde mir doch eh keiner glauben, wenn ich ihnen verrate, wie alt ich mittlerweile wirklich bin.
Wieder aus der Kabine raus, werde ich von einem älteren Herrn im Anzug angerempelt Mit einer Alkoholfahne, die mir sagt, dass er heute schon zu viel getrunken hat, redet er mich an. “Na Süßer. Lust mir einen zu blasen. Ich bezahle gut.“ Voller ekel schupse ich ihn von mir weg. “Lass mich in Ruhe du besoffnes Schwein.“ schnauze ich ihn auch sofort an. Ich muss mir das ja nicht von jedem gefallen lassen.


Zehn Jahre. … Morgen wäre dein Geburtstag. Nein! Morgen ist dein Geburtstag.
Ich werde dir eine Kerze anzünden.
Dein Grab ist nicht so weit von hier entfernt. Sogar viel näher als von ihrer alten Wohnung, obwohl es eine andere Stadt ist in der wir nun leben.
Ich bin im Moment kein Rabe, also werde ich mir ein Taxi nehmen müssen um zu dir zu kommen.
Doch erstmal muss ich mir eine Kerze besorgen, ein Feuerzeug hatte ich ihr vorhin schon entwendet.
Es ist 12:00 Uhr, ich habe es geschafft. Ich bin bei dir, das Taxi kommt in anderthalb Stunden wieder und es ist eine wunderschöne sternenklare Nacht. Ich warte noch fünf Minuten in denen ich die Ruhe genieße, dann entzünde ich die Kerze. In ihrem Schein erzähle ich dir dann, was in der letzten Zeit alles so passiert ist und warum ich nicht eher zu dir kommen konnte.
Viel zu früh hupt das Taxi. Ich hätte noch Stunden hier verbringen können. …
“Kannst du bitte etwas schneller fahren?“, frage ich meinen Fahrer, nachdem ich zum wiederholtem male auf mein Handy gesehen habe. Er brummt nur etwas für mich unverständliches, dann drückt er auf das Gaspedal.
Zehn vor drei stehe ich am vereinbarten Platz. Wartend lehne ich mich an eine Wand, während meine Gedanken immer noch in der Vergangenheit wandern und ich so nicht mitbekomme, dass ich heimlich beobachtet werde.
“Laurüü-Schadzüü.“, mit einer Alkoholfahne von hier bis Moskau kommt sie auf mich zu. Hinter sich zieht sie einen nicht weniger schwankenden her, bis beide wie Schiffsbojen schwankend vor mir stehen bleiben. Sie löst sich von ihrem Mitbringsel und wühlt in ihrer Handtasche herum, was ihm entweder nicht zu gefallen scheint oder er nicht mehr alleine stehen kann, denn er tatscht sofort etwas unkoordiniert nach ihr. Zusammen liegt ihr nun kichernd auf dem Boden, aus welcher sie sich schließlich in eine etwas sitzende Position hocharbeitet. Kaum heilwegs gerade kramt sie schon wieder in ihrer Tasche.
Was sie wohl sucht?
Triumphierend hält sie schließlich ein Schlüsselbund in die Höhe. “Hab ich disch endlüsch.“, nuschelt sie noch, bevor sie mir das Bund hin hält. “Hier.“ und steck ihren Arm noch weiter zu mir. Etwas zögerlich nehme ich ihn aus ihrer Hand. “Wensch jemand jefeld kanscht ooch mitnehm. Koom erscht morschn heem.“, sprichts und verschwindet wieder.
An dem Schlüsselbund hängt noch etwas, was sich nach der näheren Betrachtung als die Sachenmarke entpuppt. Ich hole noch schnell meine Tüte, dann versuche ich zu unserer Wohnung zurückzufinden.
Nach mehreren Stunden und öfterem Rätselraten, wo ich lang muss, habe ich mein Ziel gefunden.
Den Beutel lege ich in meinem Zimmer einfach auf den Boden, gehe ins Bad mich abschminken und dann zurück in meinem Zimmer, wo ich den CD-Player anmache.
Wie immer kommt nur Müll im Radio. Immer das Selbe. … Das ich keine CD besitze, hat mich schon die ganze letzte Woche angekotzt.
Ob im Wohnzimmer welche sind? Ich durfte ja kaum aus meinem Zimmer raus, wo du noch da warst. Also nichts wie hin und nachsehen. … Nein, in keinen der Schränke auch nur eine CD, doch als Ausgleich dazu habe ich ihre Filmesammlung gefunden. Auch diese sehe ich durch und finde nichts, was mich interessiert. Och man. … Ok, dann gehe ich halt schlafen.

Kapitel 5: Einkaufen
Verwirrt blicke ich auf den Wecker. Irgendetwas hat mich aufgeweckt, doch was es war kann ich nicht sagen, doch noch immer ist mir, als würde meine Haut unter irgendwelchen Blicken fast verbrennen. Einige Minuten verbringe ich noch im Bett, dann stehe ich auf, gehe duschen und mache mich dann fertig.
Bevor ich jedoch die Wohnung verlasse zähle ich noch mein Restgeld, stecke es mit dem Portmonee, dem Handy und den Schlüsseln ein, dann mache ich mich auch schon auf die Suche nach dem Laden, den ich letzte Nacht durch Zufall gefunden hatte.
Ich habe es tatsächlich wieder gefunden, ohne mich ein einziges Mal zu verlaufen.
Im Laden drin fällt mein Blick als erstes auf ein wunderschönes schwarzes T-Shirt mit aufgedruckten Engelsflügeln ins Blickfeld. >Das muss ich haben.< schießt es mir auch sofort durch den Kopf. Zu meiner Freude stelle ich fest, dass es sogar meine Größe ist und dass es herabgesetzt wurde.
Ich probiere es an und beschließe, nach einigen drehen und wenden in der Umkleide, es auch zu kaufen.
Mein nächster Gang führt mich direkt zu den Regalen mit den CD´s.
Viele nehme ich in die Hand, doch fast alle muss ich nach einem Blick auf den Preis zurücklegen.

Mit nur noch ein paar Cents im Portmonee, meinen neuen Errungenschaften und einer Handynummer komme ich wieder Zuhause an.

“Wo warst du?“, fragt sie mich mit leiser emotionsloser Stimme, als ich vor Schreck, dass sie auf meinem Bett sitzt, stehen geblieben bin. “Ist doch egal. Ich bin wieder da. So wie immer.“ Einen Moment sieht sie mich nur nachdenklich an. “Dir geht es also besser? Dann können wir ja jetzt shoppen gehen. Ich brauch was zum anziehen. Da sind frische Sachen, zieh die an.“ und deutet mit den Kopf in die von ihr gemeinte Richtung. Ich folge ihrem Blick und sehe wieder einen kleinen schwarze Haufen. “Was hast du da eigentlich in der Tüte?“ Erschrocken drehe ich mich zu ihr um. “Na los, zeig her!“ Ich schüttel den Kopf und mache mich schon auf die Schmerzen gefasst, die nun folgen werden. “Letzte Warnung. Lintu!!! Zeig her.“ Ich habe angst, dass merkt sie. Angst davor, wieder Ewigkeiten nichts tun zu können. Wie erwartet folgen Schmerzen, doch diesmal nur in der Hand, die die Tüte hält. “Du brauchst sie nur herzubringen oder mir zu sagen, was drin ist.“
“Vergiss es. Meine!“ Nach einer Handbewegung von ihr, werde ich gegen die Wand in meinem Rücken geschleudert. “Alles was deine ist, ist meine. Du gehörst mir!“, ist das Letzte, was ich noch mitbekomme, bevor ich wieder mal in die Schwärze gezogen werde.

“He aufwachen. Na los. Aufstehen.“ Kleine Impulse, die wie Brennnesseln kribbeln, jagen durch meinen Körper. Sie zwingt mich an die Oberfläche. Raus aus der Schwärze, wo sie keine Macht über mich hat.
“Ah wach. Zieh dich um, wir gehen shoppen. Ich bin in fünf Minuten wieder da.“ Müde schleppe ich mich zu den Sachen. Mein Beutel liegt immer noch dort, wo ich ihn fallen lassen habe. Hoffentlich ist nichts kaputt. Als ich nach den Sachen greife, zucke ich vor Schmerz zurück. Verdammt. Meine ganze Hand tut noch weh.
Etwas umständlich, da ich größtenteils nur eine Hand benutze, ziehe ich mich um.
Geschafft und mit bunten Lichtern vor den Augen lasse ich mich auf den Boden sinken.
“Na dann können wir ja endlich.“ Erschrocken öffne ich die Augen. Ich brauche dennoch einige Minuten, bis ich etwas sehen kann. Sie liegt wieder auf meinem Bett. *schock* Wie lange liegt sie da schon? “Sowas können wir öfters machen.“
“Du du…“, krächze ich dann, da ich keine Gewalt über meine Stimme habe. “Ja…Ich habe doch gesagt, dass ich in fünf Minuten wieder komme.“ *dorr* Ich lasse mich zurück fallen und schlage hart mit dem Kopf auf dem Boden auf. “Autsch.“ Vermutlich wird das nun einen dicken blauen Fleck geben. “Eh, wenn dir jemand Schmerzen zufügt, dann bin ich das. Außer du stehst da drauf, dann lässt sich auch das einrichten.“ Ihre Finger wandern über meinen Bauch, meine Brust zu meinem Gesicht. Meine Augen halte ich geschlossen und stelle mir vor, dass wärst du. “Eeeeh! Was soll das? Denk gefälligst an mich, wenn ich dich berühre. Nur an mich. An niemanden sonst. … Los auf jetzt. Ich habe genug Zeit verschwendet.“
Eins nach dem anderen öffne ich meine Augen.
Sie steht direkt vor mir. “Soll ich dir etwa aufhelfen?“ Nein bloß nicht. “Na dann. … Ich warte nicht mehr lange.“ Mühsam quäle ich mich hoch. “Komm jetzt!“, schon stürmt sie zur Tür. Kopfschüttelnd folge ich ihr. Anscheinend ist sie in dieser Beziehung genauso schlimm wie du. Ach man. Gibt es auch Tage, an denen ich nicht an dich denke? Tage, an denen ich mich nicht nach dir verzehre?
“Lauri?! Was stehst du da schon wieder so verträumt in der Gegend rum? Komm jetzt!“ Sie wirft mir noch einen Rucksack zu, welchen ich erstmal wieder fallen lasse. Natürlich habe ich wieder mit der Hand fangen wollen, mit der ich immer alles mache. Die, die weh tut. In ihrem Gesicht erkenne ich, dass sie genau dies wollte. Sie wieder Spaß daran hat. “Komm jetzt.“ und schon wendet sie sich wieder um und geht in den Hausflur hinaus.
Ich schultere den Rucksack, dann folge ich ihr.

Kapitel 6: Der 1. Auftrag
Wieder Zuhause, lasse ich mich erschöpft auf einen Stuhl in der Küche nieder.
Au. Mir tut alles weh. Sie hat mich durch alle Geschäfte geschleppt, die es hier in der Gegend gibt. Und wer musste natürlich alles schleppen? Ich.!
“Lauri! Hier zieh das an. Du musst arbeiten! Und keine Widerrede. Du wirst den Job erfüllen.“ Ich will aber nicht. Trotzig verschränke ich meine Arme vor der Brust und sehe sie herausfordernd an. “Du kannst dir abschminken, dass ich dir jetzt auf dein Nicht-Gehorchen Schmerzen zufüge, sodass du dann nicht mehr kannst. Geh dich duschen und dann zieh dich um. Sie kommt bald.“ und schon zieht sie mich ins Bad. “Wenn du nicht willst, dass ich dich wasche, dann würde ich anfangen.“ Sie sieht mich noch einen Moment herausfordernd an, dann dreht sie sich rum und schließt hinter sich die Tür.
Man ey. Ich will niemanden verführen. Und mit jemanden schlafen will ich auch nicht. Ich will einfach nicht. … Was ist daran nicht zu verstehen?
Ich halte mein Gesicht in den Wasserstrahl und lasse meine Tränen mit wegspülen.
Fertig. Jetzt noch anziehen, dann kann der Horror beginnen. Schminken werde ich mich nicht. Vielleicht gefalle ich meinen `Job´ dann weniger und bin ihn los.
“Lauri. Komm ins Wohnzimmer. Flott.“ Von wegen Flott. Ich schleiche wie jemand, der seinen letzten Gang antritt. Nur ist der Weg vom Bad zur Stube leider nicht so lang. … Kann sich der Boden nicht auftun und mich verschlingen? Nirgendwo ist auch nur ein Riss im Parkett zu sehen.
Auf der Auslegware im Wohnzimmer leider auch nicht.
“Lauri. Sieh mich bitte an.“, höre ich ihre Stimme in meinem Kopf, als ich meinen Blick immer noch stur auf den Boden gerichtet habe.
“Lauri….Jetzt mach keinen auf zickig. Das nützt dir nichts.“, meint sie zu mir, als ich den Blick weiterhin stur auf den Boden gerichtet habe. “Gefällt er dir meine Liebe?“, fragt sie nun laut. Deswegen sollte ich also aufsehen, damit man mich besser begutachten kann. Ich bin doch kein Stück Vieh, das man zur Schau stellt.
“Süß. Diese Gedankengänge.“
“Ja, du musst ihn eng an der Leine halten, sonst macht er, was er will.“ Toll, von einer zur nächsten. Heute ist mein Glückstag. “Aber vergiss nicht, er gehört mir. Du gehst mit ihm aus, aber nichts weiter. Nur essen, nicht vernaschen. Du lieferst ihn Punkt 10 wieder hier ab, dann brauche ich ihn.“ Ich…nein, nicht denken.
“Lauri. Benimm dich bitte. Falls sie dir zu nahe kommt, rufe mich. Ok?“, höre ich sie wieder in meinem Kopf. Erstaunt hebe ich nun doch meinen Blick und sehe sie, nicht verstehend warum sie mich jetzt so schützt, an. “Ok?“, fragt sie mich wieder im Kopf. Ich nicke nur und betrachte mir die andere. Ein liebliches Gesicht, welches durch Blonde, fast weiße Haare umrandet wird. Eine schwarz-rote, mit Rosen und anderen Ranken verziere Korsage, passend zu einen ebenfalls schwarzen engen Rock, der zum Boden hin immer breiter wird und ihre schlanke Statur dadurch nur noch mehr betont. Als sichtbaren Schmuck trägt sie nur eine schwere Kette mit einem Kreuz und zwei Ringe. Mehr ist auf den ersten Blick nicht zu sehen.
“Wie nennst du ihn?“, fragt sie, während sie mir deutet, dass ich mich drehen soll.
“Lauri! Dreh dich!“ nun wendet sie sich ihrem Gast zu und sagt ihr, dass sie mich halt Lauri nennt. “Na ok. Ich finde zwar, dass Koira oder Orja besser zu ihm passt, aber zumindest sieht er nicht so schlecht aus.“
“Du kannst ihn doch in der Öffentlichkeit nicht Hund oder Sklave nennen. Außerdem habe ich ihn schon überall als Lauri vorgestellt. Mein Lauri!“
Die Andere schnaubt noch einmal verächtlich, dann nimmt sie mich an die Hand und schon stehen wir irgendwo vor einem großen Herrenhaus.
Sofort zieht sie mich in eine stille Ecke und drückt mich gegen die Wand.
“Also Orja hör zu. Du wirst so tun, als wären wir beste Freunde und noch etwas mehr klar?!“ Sie will mich im Gesicht berühren, welches ich aber sofort so weit wie möglich wegdrehe. “Und du wirst dich von mir berühren lassen. Du wirst weder das Gesicht verziehen noch irgendwelche Zuckungen haben. Das da drin ist eins der nobelsten Restaurants, die ich je gefunden habe, also wirst du gehorchen Orja. Mach mir nichts kaputt.“
“Was willst du eigentlich da drin? Wozu brauchst du mich?“ Ich bekomme eine Ohrfeige, die mir die Tränen in die Augen treibt. “Das geht dich gar nichts an.“, faucht sie noch, bevor sie mich zu der großen Eingangstreppe zieht. Kurz davor bleibt sie stehen und sieht mich auffordernd an. Was ist denn nun schon wieder? Sie knickt meinen Arm ein und hängt sich dann ein. Achso. …

Kurz vor 10 gehen wir nach draußen, wo sie mich wieder bei der Hand nimmt und schon stehen wir wieder in unserem Wohnzimmer.
Mir tut alles weh. So viele `Stromschläge´, wie ich heute bekommen habe, ist das auch kein Wunder. Erschöpft lasse ich mich auf das Sofa sinken. “Runter vom Sofa Orja.“, faucht sie mich wieder an.
Wieder werde ich von Schmerzen durchzogen.
Ein schwacher Schmerzenslaut kommt über meine Lippen, als ich auf dem Boden aufschlage. Schon steht sie neben mir. “Lauri? … “
“Was hast du eigentlich für eine Beziehung zu ihm?“, wird sie nun gefragt.
“Was hast du mit ihm gemacht? Ich hatte dir gesagt, dass ich ihn heute Abend noch brauche und du ihn in Ruhe lassen sollst.“ Ihre Stimme ist kalt und voller unterdrücktem Zorn.
“Das du auf Raubkatzen stehst, ist verständlich, aber was hast du für eine Beziehung zu ihm. Weißt du wie oft er dich gerufen hat? Das gehört sich nicht! … Er ist total verzogen. Er stellt Fragen. Er widerspricht und widersetzt sich Befehlen. Das ist unakzeptabel! Du solltest ihn besser erziehen. Falls du das nicht selbst hinbekommst, kann ich mich gerne darum kümmern.“
“Du hast ihn blockiert??? … Verschwinde. Mach dass du aus meiner Wohnung raus kommst. Ich will dich nie wieder sehen. Du kannst dich ja nicht mal an einfache Abmachungen halten. Ich hatte dir gesagt, dass du ihn nicht körperlich verletzen sollst. Er gehört mir und ich erziehe ihn so, wie ich will. Und wenn er mich ruft, dann hatte er einen Grund dazu. ICH habe ihm befohlen mich zu rufen, wenn du ihn zu nahe kommst. ICH! Er gehört mir! Nicht dir! Verschwinde!!!“
“Lauri?“ Sie berührt mich am Bauch, worauf ich panisch einige Meter von ihr wegzucke. Angstvoll kullere ich mich zusammen. “Oh Lauri, was hat sie nur mit dir gemacht? Was hat sie dir nur angetan? … Lauri, ich werde dir jetzt ein Bad einlassen. Das wird die Schmerzen etwas lindern und deinem Körper helfen zu heilen.
Ich höre, wie sie aufsteht und geht.

Kapitel 7: Haustier?
Anscheinend bin ich wieder eingeschlafen, denn ich erwache in meinem Bett. Ich lasse meinen Blick durch das Zimmer wandern, doch sie kann ich nicht entdecken. Nur einen schwarzen Haufen erblicke ich auf der Kommode.
Beim Anziehen bemerke ich, dass ich nach Lavendel dufte. Normalerweise würde ich spätestens jetzt das Gesicht verziehen, doch es entlockt mir nur ein Schulterzucken, da ich gesehen und gespürt habe, wozu andere wie sie fähig sind. Verwundernd wird mir klar, dass ich mich ohne Schmerzen anziehen konnte, mich ohne Schmerzen bewegen kann. Egal, was sie mit mir gemacht hat, es hat zumindest geholfen.
Kopfschüttelnd gehe ich in die Küche. Sofort fällt mir ein Zettel, welcher auf dem Tisch liegt, auf. Neugierig gehe ich näher und lese ihn mir durch. Der Brief ist von ihr.

[i] Lieber Lauri,
ich hoffe, es geht dir besser.
Ich bin bei Akkan und komme erst in drei Tagen (am 27.) wieder.
In dem Umschlag, der unter diesem Brief liegt, ist Geld und eine Kette. Bitte trage diese zu deinem eigenem Schutz. Mit dem Geld kannst du machen, was du möchtest, doch ich rate dir, dir noch ein paar Sachen zu kaufen, damit du etwas mehr Auswahl hast. [/i]
(@ Deathi: ich habs gefunden!^^ *freu*-so, weil er es nicht laut vorliest, sondern nur zur Info für uns/die Leser ist)

Weiter lese ich nicht. Ich muss das, was ich gerade gelesen habe erst mal verdauen.
Der Umschlag, von dem sie geschrieben hat, fällt mir ins Blickfeld. Er ist ganz schön dick. Wie viel da wohl drinnen ist? Ich nehme ihn, öffne ihn zögerlich und starre fassungslos auf die ganzen Scheine, die sich da drinnen befinden.
Ich nehme das Geld heraus und lege es auf den Tisch vor mir. Nun ist nur noch die Kette im Umschlag. Auch diese nehme ich heraus. Sie näher betrachtend werden mir zwei Tatsachen bewusst. Erstens, dass sie zwar aufwendig bearbeitet wurde und zweitens, dass es nur eine bessere Hundemarke ist, die mich als ihr Eigentum ausgibt.
Was soll das? Die werde ich bestimmt nicht tragen. Komme was wolle.
Die Kette weglegend nehme ich das Geld zur Hand und zähle dies.
Fertig. Puh. 2000,00 €. Schmerzengeld?
Sie schrieb was von Sachen kaufen, damit ich mehr Auswahl habe. … Mehr Auswahl?
Der Schrank.
Einen Stuhl mit umreisend stürze ich aus der Küche in mein Zimmer. Zögerlich gehe ich auf den Schrank zu und öffne ihn. Dort hängen wirklich die ganzen Sachen, die ich bis jetzt schon anhatte.
Nur ein T-Shirt hängt nicht dort.
Das, was ich mir schon gekauft habe.
Wo liegt das denn?
Immer noch am selben Fleck, stelle ich nach einem Rundumblick durch Zimmer fest.
Das mir das vorhin nicht aufgefallen ist?!
Die Schranktüren noch schließend, gehe ich dann auf den Beutel zu.

Zum Glück noch alles ganz. Eine CD nehme ich mit zum CD-Player, die andere habe ich neben den Beutel auf den Boden gelegt.
Sanft ertönt meine Stimme. Ich lausche ihr, wie sie mir von vergangenen Zeiten erzählt. Als deine Drumms einsetzen, ist es um mich geschehen. Träumend versinke ich wieder in Erinnerungen.

“Klack, rausch, klack, rausch, klack, rausch.“ Was? Ooh. Die CD ist schon zu Ende. Habe ich etwa die ganze Zeit geträumt? Anscheinend schon.
Was mache ich denn jetzt noch?
Ein Blick aus dem Fenster und meine Entscheidung fällt mir noch schwerer.
Es regnet. Hmmm nein, es nieselt nur.
Ich liebe dieses Wetter. … Ich gehe spazieren. Mal sehen, ob es hier auch so etwas wie einen Park gibt.
“Lauri? Bist du wach?“, ertönt ihre Stimme in meinem Kopf. Sie? Was mach ich denn jetzt?
Hmmm. “Gott sei dank.“ Hat sie sich etwa sorgen gemacht? “Ja habe ich.“ Ups. … “Wie fühlst du dich?“
Besser. Danke.
“Du Lauri. Ich weiß, ich habe dir frei gegeben, aber kommst du mich bitte abholen? Oh und trag die Kette.“ Vergiss es. Das ist… “Ich weiß, aber tu es trotzdem. Niemand darf dich dann verletzen oder dir etwas antun. Wenn sie wollen, dass du für irgendetwas bestraft wirst, müssen sie zu mir kommen und mir die Tat schildern. Dann lege ich die Strafe fest. Nur ich. Kein anderer und wenn sie dich doch verletzen, dann darf ich zurückschlagen, was bisher verboten war.“
Was war denn bisher? … “Ähm, das willst du glaube ich nicht wissen.“ So schlimm?
“Ich glaube nicht, dass du das jetzt noch verkraftest. … Weißt du, wo der Markt ist?“
Nein.
“Ok. … Wenn du willst, kannst du dich in einen Raben verwandeln, aber pass bitte auf, dass dich dabei keiner beobachtet. Flieg dann Richtung Norden…“ Sie erklärt mir, wie ich zu ihr komme. Zum Schluss bittet, nein, sie befiehlt mir die Kette zu tragen, dann verstummt sie und ist hoffentlich aus meinem Kopf raus. Jetzt ist nur noch die Frage, wo verstecke ich die CD`s, denn von diesen wird sie sicherlich nicht begeistert sein. Vielleicht von der anderen, aber nicht von der von uns.

Na dann, CD`s verstecken. Fenster auf, noch einen Blick ob auch keiner zu sehen ist, hoch ziehen und springen. Einige Minuten genieße ich den freien Fall, dann breite ich meine Flügel aus und lasse mich auf die Hauptstraße zugleiten.
*Wäääh!!!* “Scheiß LKWs!“, schimpfe ich, nachdem ich mich wieder gefangen habe, sprich ich aufgehört habe zu taumeln.
So jetzt Höhe gewinnen und orientieren.
Wo verdammt noch mal ist Norden?
Einige Minuten fliege ich in immer größeren Kreisen, bis ich einen Orientierungspunkt gefunden habe.
So jetzt muss ich es nur noch finden.

Das da vorn könnte es sein.
Zuerst sehe ich bei einigen Fenstern herein. Nobel. Nobel. Auf der Seite ist sie anscheinend nicht. So fliege ich auf die andere Seite des Wohnhauses und werfe dort ebenfalls einen Blick in die Zimmer. *Wau.* Hier bleibt einem ja der Schnabel offen stehen.
Am nächsten Fenster sehe ich sie. Sie unterhält sich mit jemanden. Anscheinend diesen Akkan. Ich lasse mich auf dem Fenstersims nieder und schlage leicht an die Scheibe. Sie wendet ihren Blick zu mir und beginnt zu lächeln. “Lauri. Schön das du da bist. Kannst du einen auf kranken Raben machen? Ich habe ihm erzählt, dass ich Raben doch so gerne habe. Da wird er sicherlich verstehen, dass ich mich um dich kümmern will und werde.“ Einmal krächze ich beleidigt auf. Na toll, für so was ruft sie mich hier her? Kann sie sich nicht normal von ihm verabschieden? Nein.!

Ich hoffe ich kann das. Hab bisher nur mal in einer Schulaufführung geschauspielert.
Ok. Kranker Rabe die Erste. Ich lasse mich auf dem Fensterbrett zur Seite kippen und zeter was das Zeug hält. Noch ein bisschen mit dem Flügel schlagen und voller Schmerzen aufkrächzen. Ahh. Sie kommen beide zu mir. Er etwas schneller und voller Tatendrang und sie etwas langsamer mit einem Lächeln im Gesicht. Er öffnet die andere Seite des Flügelfensters und greift vorsichtig nach mir. Warme Hände tragen mich zu der Sitzecke, an der sie vorhin saßen und legen mich dort auf das Sofa. Er geht zur Tür und zieht an einer langen Schnur. Kurz darauf geht die Tür auf und ein Pinguin, ach nein, ein Butler kommt herein. Dieser Nickt und verschwindet wieder. Sie ist derweil zu mir gekommen und streicht mir durchs Gefieder. Böse sehe ich sie an, doch sie bedankt sich leise bei mir und lobt mich für meine Schauspielkünste.
Der Butler kommt wieder und bringt ein angewärmtes Handtuch mit, das sie sich geben lässt und mich dann darin einkuschelt.
“Sie ist ziemlich klein oder? Ob sie Hunger und Durst hat?“ Was? Ich bin ein Kerl!! Bitte?! Beleidigt plustere ich mein Gefieder auf und krächze wieder, bevor ich mich von ihm weg zu ihr wende. Red doch mit meinem Rücken du Arsch.
Sie nimmt mich hoch, geht zu ihm hin, gibt ihn einen Kuss und verabschiedet sich mit der Begründung, mich zum Tierarzt zu schaffen von ihm.
Ein bisschen bedeppert steht er dort rum und sieht uns ungläubig nach als wir gehen.

“So was jetzt?“, frage ich sie, als wir draußen vor dem Haus stehen und sie auf ein Waldstück zugeht. “Jetzt mein gefiederter Gefährte? Jetzt bekommst du Hausarrest.“ und schon stehen wir in der Küche. Und warum das jetzt? “Ganz einfach. Deswegen!!!“ und hält die Kette hoch, die ich eigentlich tragen sollte.
“Die trage ich nicht. Vergiss es.“
“Lauri. Die ist zu deinem eigenen Schutz. Deiner! Für dich.!“, frustriert seufzt sie zum Schluss auf.
“Hundemarke. Nicht mehr und nicht weniger.“, gebe ich ihr protzig zur Antwort.
“Du…“, sie knurrt noch etwas vor sich hin, und ich werde von Schmerzen durchzogen. Sie wandern aus allen Richtungen in meine Beine. Sie zwingt mich auf die Knie.
Einige Minuten sieht sie mich nur von oben herab an.
“Verschwinde in dein Zimmer. Ich will dich heute nicht mehr sehen.“ Als ich mich nicht bewege um ihrem Befehl zu gehorchen erfolgen wieder einige Wort von ihr, nach denen ich mich in meinem Zimmer befinde.

Man eh, die geht mir auf den Geist! Will man mal nett zu ihr sein, bekommt man wieder eine rein gewürgt. Das ist…und das nur wegen so ner blöden Hundemarke! …
Immer noch voll sauer voll sauer beende ich meine Rundläufe durchs Zimmer und lasse mich aufs Bett sinken.
Und was jetzt?
Mir ist langweilig!
Ruhelos wippe ich hin und her.
Musik? Musik ist immer gut. Schon springe ich auf und mache den CD-Player an. Vielleicht kommt ja mal was, was mir gefällt.
Och man. Wieder nur Popmist.
Warum spielen die den immer nur den Mist?
Werbung. Toll. Auch nicht besser.
“…Der Sänger der Band, die wir in unserem heutigem Gewinnspiel suchen, ist nach dem mysteriösen Tod des Drummers untergetaucht oder wie gerüchterweise aufgekommen ist, Selbstmord begangen hat. Ein kleiner Tipp, der folgende Song ist von ihnen. Wer die Lösung weiß, ruf an und gewinn…“ Oh man, immer dieser Mist noch. Ich kann nicht glauben, dass da wirklich Leute anrufen, aber ich bin nun zumindest gespannt, was und vor allem wer es ist, den sie suchen. “…So nun für alle, die sich gerade erst getrennt haben oder von ihrem Freund oder Freundin verlassen worden sind, was ganz altes.“
Chellos und Gitarren erklingen. Als meine Stimme einsetzt, laufen mir schon wieder die Tränen über das Gesicht.
Man eh, ich bin so ein Weichei. Wo ist denn nur der coole selbstsichere Lauri von damals hin?
Vermutlich ist er mit dir gestorben. …

Kapitel 8: zuviel
“Lauri? Lauri. He!“ Sie zieht mir die Decke, die immer noch über meinem zusammengekauerten Körper liegt, weg. Verschwinde, lass mich in Ruhe. Und ziehe die Decke wieder zurück.
“Eeeh. Werd mal nicht frech Kleiner. …“ Sie murmelt noch irgendetwas.
“Waa? Iiiii!“ *Wähh.* Ich liege in der Badewanne. Sie hält den Duschkopf in der Hand und lässt kaltes Wasser auf mich herab rieseln. “Wach?“ Sie stellt das Wasser ab. “Wasch dich und dann komm in die Stube.“ Was zum…Nicht schon wieder! Ooch man. …

Fertig. Naja fast. Noch anziehen.
Die Tür geht auf und sie kommt herein.
“Fertig? In deinem Zimmer hängt ein Anzug. Zieh den an und mach dich fertig.“ *rums* Schon ist die Tür wieder zu.
Anzug??? Ich mag keine Anzüge. Eigentlich schon, aber das letzte Mal, wo ich einen anhatte, bist…wurdest du getötet. “Lauri!“ Jaa. Ich mach ja schon. Mit schlürfenden Schritten gehe ich in mein Zimmer.
Schwarze Stoffhosen, schwarzes Jackett und ein elegantes T-Shirt. Kein Hemmt. Zum Glück, aber was ist das? Da hängt noch etwas an dem Kleiderbügel.
*flam* Was soll das denn jetzt? Ein Armband…Ein Lederarmband…Mit dem Ring der O glaub ich…
Nee oder?...Nicht ihr Ernst oder? “Laurii!! Jetzt komm aus dem Knick!“ Damn.
Ich lasse das Handtuch fallen, doch genau in diesem Moment kommt sie ins Zimmer hinein. “Lintu. Ich…“ sie stockt und mustert mich von oben bis unten. Schnell schnappe ich mir wieder das Handtuch und wickle es um meine Hüfte um zumindest das Nötigste zu verdecken. “Ich…mach dann bei dir das Fenster ordentlich zu, es ist ein Unwetter gemeldet. Ach und komm dann in die Küche.“ Sie dreht sich um und geht. Ich warte noch einen Moment, dann lasse ich das Handtuch zum zweiten Mal fallen.

Nachdem ich das Fenster kontrolliert habe, komme ich ihrem Befehl nach und gehe in die Küche.

“Lauri!?“ Ihr Blick wandert wieder über meinen Körper, dann erhebt sie sich und geht an mir vorbei in mein Zimmer. Zurück kommt sie mit dem Armband, welches ich natürlich nicht drum gemacht habe.
“Arm her!“
“Aahh.“
Stromblitze zucken in meinem linken Arm, als ich diesem Befehl nicht sofort nachkomme. Sie schnappt sich diesen und mach das Armband drum, dann geht sie wieder an mir vorbei, zum Tisch und nimmt sich von diesem die Kette. Auch diese hängt sie mir um.
“So. Jetzt können wir.“, meint sie, als sie fertig ist. Vergiss es! “Willst du mir etwa widersprechen?“ Ja. Sie hat es erfasst. Wieder Schmerzen. Überall in meinem Körper. Sie leistet volle Arbeit.
Was fehlt noch?
Du. Und das Wissen, dass DU es bist.
“Ey! Das Thema hatten wir schon mal! Ich und nur ich.“ Sie ist sauer. Extrem sauer! Sie knallt mir eine, knurrt mir zu, dass ich wieder in mein Zimmer verschwinden und gefälligst dort bleiben soll und weg ist sie.
Wohin? Mir egal. Mir tut alles weh.
Meine Knie knicken weg und schon schlage ich hart auf dem Küchenboden auf.
Scheiße. Ich versuche wieder aufzustehen. Als das nicht gelingt, versuche ich mich wenigstens in eine sitzende Position hochzuarbeiten, aber auch dort komme ich nicht weit. Geschafft breche ich schließlich auf dem Boden zusammen. Mein Herz hämmert wie verrückt gegen meine Brust. Arme und Beine zittern um die Wette und ich merke, wie mich die Anstrengungen ihren Tribut verlangen. Ich versuche mich gegen die Müdigkeit zu wehren, doch dies dauert nicht lange, dann überrollt sie mich.

Arg. Scheiße! Mittlerweile ist es dunkel geworden.
Anscheinend habe ich stundenlang geschlafen, doch aufstehen kann ich immer noch nicht.
Was hat sie denn nun schon wieder mit mir gemacht?
WEIBER!?
“AKI! Man, ich vermisse dich! … Scheiße! … Daran wird auch sie nichts ändern können. Egal wie sehr sie mich noch quälen wird.

Kapitel 9: Essen mit Akkan
“Lauri? Lauri!“ Sie. Sie ist wieder da. Müde öffne ich meine Augen. Es ist schon wieder Tag und die Sonne malt kleine Kringel auf den Boden. Warum brauche ich in der letzten Zeit nur so viel Schlaf? “Lauri wo bist … du?“ Anscheinend sieht sie nun, dass ich immer noch hier liege. “Was machst du denn immer noch dort?“ Haha. So ne blöde Frage. Sie kommt näher zu mir und sieht mich schließlich von oben herab an. Schließlich streckt sie doch eine Hand aus und versucht mich nun hochzuziehen. “Komm schon. Mach dich nicht so schwer.“ Wieder bemüht sie sich ab, mich auf die Beine zu bekommen. Auch mir läuft schon wieder der Schweiß übers Gesicht.
“Ich setze dich auf Diät, wenn du dich weiter so schwer machst.“ Diät? Ich bekomme doch jetzt schon kaum was!, doch dies sage ich natürlich nicht. Soll sie doch meine Gedanken lesen. Macht sie doch sonst auch.
“Hmm, so wird das nichts.“
Sie entfernt sich einige Schritte von mir, murmelt irgendetwas, dann stehe ich vor ihr. “Ich lasse dich jetzt los. Versuch stehen zu bleiben.“
Sie lässt mich langsam los.
Immer mehr Gewicht muss ich selber tragen.
Immer stärker zittern meine Knie, bis sie wegknicken.
Wieder liege ich auf dem Boden. Tolle Aussicht. Komm mir vor, als wäre ich in der Krabbelgruppe.
Da hat wohl jemand meine Knie zu sehr belastet. Ja wer denn nur? “Sei nicht schon wieder so ironisch!“
“Ich `spreche´ doch nur die Tatsachen mal an.“
“Jaja. Leck mich doch am A****“
“Das war doppelt gemoppelt“, aber naja… “Hör auf!“, fährt sie mich an. Etwas leiser setzt sie “Ich bin heut nicht in Stimmung für Spielchen.“
Ob sie mich wenigstens in mein Zimmer verfrachten kann oder vielleicht sogar in die Stube zum Fernseher?
“Nöö. Du kommst jetzt auf dem Stuhl da…“ Sie zeigt auf einen der Stühle am Tisch. “…da liegst du wenigstens nicht im Weg.“
“Im Weg wofür? Waa!“
Neue Perspektive. Gar nicht mal so schlecht, trotzdem noch die Frage: Wofür im Weg.
Sie kommt zu mir, bleibt vor mir stehen und kommt auf Gesichtshöhe herunter.
Immer näher kommt sie meinem Gesicht. Unserer Nasenspitzen berühren sich fast. “Hab mir gedacht, ich koch dann mal was.“ Sie gibt mir einen Kuss. “Iiih! Erschrocken zucke ich zurück. Nur ist das nicht so weit, da der Tisch nicht allzu weit nachgibt. Meine Hand, die ich zum Schlag erhoben hatte, hält sie am Handgelenk fest.
Sie kann kochen? Skeptisch sehe ich sie an. Soll man das dann auch noch essen können? “Blödmann!“ Meinen Arm loslassend, dreht sie sich um und ich fahre mir damit über meine Lippen.
Sie kramt und wühlt in den Schränken herum. Immer mehr stapelt sie auf der Arbeitsplatte. Einen Topf, eine Pfanne, zwei Päckchen Spagetti, das zweite hatte sie nach einem Blick auf mich noch mit dazugelegt, einige Möhren, Tomaten, Paprika, irgendwelche Kräuter und Käse. Der Rest der noch draußen steht, räumt sie wieder weg.
Mit dem Käse kommt sie zu mir. “Kennst du das? Das ist Feta.“ Sie legt ein Brettl mit einem weißen viereckigem Stück vor mir auf den Tisch. Dazu kommt noch eine Reibe. “Das wird krümeln, aber versuche es soweit wie möglich zu reiben.“ Zweifelnd sieht sie zwischen mir und der Reibe hin und her, doch dann dreht sie sich dennoch um und geht zum Herd.
Soll ich?
Soll ich nicht?
Na ok. Bin ich doch wieder mal lieb und gehorche ihr.
Das ist irgendwie widerlich.
Nass und kalt und es krümelt wie verrückt.
Da bin ich doch mal gespannt, was das wird.
Sie kommt mit einer Schüssel zu mir, in welche sie dann den geriebenen Käse schüttet und umrührt.
Da sind schon Tomaten und Gewürze drinnen.
Ich Tipp mal auf irgendeinen Salat.
Die Tomaten funkeln mich magisch an.
Rot mit weißer Füllung.
Da kann man doch nicht wiederstehen.
Schon strecke ich meine Hand nach einer aus.
“Lauri nicht!“ Sie hält mich am Armgelenk fest. “Das gibt es dann, wenn es fertig ist und außerdem das ist mit einem Zeitzauber belegt, das es noch durchzieht. Ich möchte nicht erfahren müssen, was mit deiner Hand passiert, wenn du da rein greifst.“ Meiner Kehle entfährt schon wieder ein seufzen.
Meinen Arm aus ihrem Klammergriff entwindend, lasse ich mich auf dem Stuhl zurücksinken und verschränke die Arme vor der Brust.
Sie geht derweil zurück zu dem Nudeln.
“Möhre?“ Sie ist wider zu mir gekommen und hält mir diese hin. Ich sehe skeptisch von der Möhre zu ihr (Kann man das so sagen?), dann schüttel ich den Kopf. “Iss! Ist gut für die Augen.“ und hält mir die Möhre immer noch hin. “Das Essen braucht noch. Sieh es als Vorspeise…Na los! Heute noch.“
Sie kann einfach nicht aufgeben oder? Immer müssen alle das machen, was sie will.

Es klingelt und sie sieht verwirrt von mir zur Küchentür und zurück. “Erwartest du noch Besuch?“, fragt sie mich dann. “Nein tue ich nicht.“ Wer sollte mich denn hier auch besuchen wollen?
Mittlerweile ist sie zur Haustür gegangen und hat diese geöffnet.
Durch die geöffnete Tür kann ich fetzen des Gespräches aufschnappen.
“Schön dich zu sehen…Komm doch mit rein und iss mit uns.“
“Wirklich? Ich mein…“
“Ach klar. Komm.“ Gemeinsam kommen sie in die Küche.
Als sein Blick auf mich fällt, bleibt er stehen und sieht verwirrt zu ihr. “Das ist Lauri. Lauri Akkan.“
“Hallo. Ich wusste nicht, dass du schon Besuch hast. Ich…“
“Ach iwo, du störst nicht. Setz dich doch. Ich deck nur noch den Tisch, dann können wir gleich essen.“ Sie stellt Teller vor mir auf den Tisch. Daneben legt sie noch Besteck. “Verteilst du das bitte?“ Sofort macht sich Akkan an die Arbeit.
Mir wird schlecht! Bringst du mich bitte weg? “Vergiss es und sieh gefälligst zu, wie er reagiert. Das will ich ihn Zukunft auch von dir sehen.“, höre ich sie in meinem Kopf. Sonst noch Wünsche? “Klar. Immer.“
Die fertigen, abgegossenen Spagetti gibt sie nun in die Schüssel zu den Tomaten und rührt alles um.
Im Anschluss daran verteilt sie dies auf die Teller
Lustlos stochere ich im Essen herum.
Schrecklich die beiden.
Entweder stimmt etwas mit dem Essen nicht oder sie macht etwas mit ihm. Zumindest wird er immer blasser.
“Lauri, wolltest du nicht mal verschwinden?“, höre ich sie wieder in meinem Kopf. Warum sollte ich verschwinden wollen? Wie soll ich das überhaupt machen? Falls schon vergessen, ich kann nicht mal stehen. “Ich werde dir helfen, aber du musst mal kurz verschwinden.“ Verwirrt hebe ich meinen Blick vom Teller und sehe auf. “Entschuldigt mich bitte.“ Ok, auf geht’s. Ich erhebe mich von meinem Stuhl. Sofort merke ich, wie sie mir zu Hilfe kommt und mich unterstützt.
Mit ihrer Hilfe gehe ich aus der Küche heraus.
Weiter durch den Flur. Von dort lenkt sie mich ins Bad hinein.
Auf meine Proteste reagiert sie gar nicht erst.
Und wie lange soll ich jetzt hier bleiben?

Einige Minuten warte ich, dann rufe ich sie wieder. “Zwei Minuten noch. Ich bin gleich fertig.“
Fertig?
Womit?
Ich habe schon wieder volle Panik.
Die Bilder von Aki kommen wieder hoch.
Wie sie ihn kaltblütig ermordet hat und es dann auch noch als Selbstmord aussehen lassen hat.
Die Badtür geht auf. Herein kommt sie. “Komm.“ Sie streckt ihre Hand nach mir aus, doch sieht sie mich dabei nicht wirklich an.
Nachdem sie meine Hand erfasst hat, zieht sie mich hoch.
Im nächsten Moment stehen wir in der Küche.
“Hattest du keinen Hunger oder warum hast du kaum etwas gegessen?“
“Nein ich…ich…“
“Du brauchst keine Angst zu haben, es ist nicht vergiftet. Warum sollte ich dich auch vergiften wollen? Da kenne ich viel bessere Methoden um dich zu quälen.“ Verschreckt lasse ich mich auf einen Stuhl fallen. “Zweifelst du etwa an mir?“ Müde schüttel ich den Kopf. Nein, daran zweifel ich wirklich nicht. Nicht mehr.
“Iss auf. Komm wieder zu Kräften.“ Akkans Teller und alles, was an seinen Besuch erinnern könnte, ist weg. Wieder sehe ich verwirrt zu ihr. “Er musste weg.“ Mehr Erklärung bekomme ich von ihr nicht. “Iss jetzt Lauri!“ Ich wickel einige Spagetti um die Gabel. Prüfend betrachte ich diese.
Sie hat gesagt, dass es nicht vergiftet ist.
Warum sollte auch?
Ich war in der letzten Zeit doch wirklich…lieb.
Ich stecke mir die Gabel in den Mund.
Hmmm, schmeckt wirklich gut.
Sie beobachtet jeder meiner Bewegungen, während ich den Teller leer esse.
“Hats geschmeckt?“
“Ja, sogar ausgesprochen gut.“ Sie sieht mir in die Augen. Das, was sie vorhin verwehrt hatte und die Augenlieder immer gesenkt gehalten oder mich nur indirekt angesehen hat. Ihre Augen sind rot. Blutrot. “Was…“ Sie schüttelt den Kopf. Möchte keine Fragen hören.
Sie berührt mich wieder an der Hand.
Im nächsten Moment liege ich wieder in meinem Bett. “Bleib liegen und schlaf dich aus. Ich komme morgen früh wieder.“ Schon ist sie weg.

Mir ist schon wieder so langweilig. Schlafen kann ich doch jetzt sowieso nicht. Ich habe heute doch schon so lange geschlafen und zu Aki wollte ich auch mal wieder.
Seit nunmehr zwei Stunden wälze ich mich schon im Bett umher. Zumindest kann ich mich schon halbwegs wieder alleine bewegen und bin nicht mehr auf ihre Hilfe angewiesen.

Kapitel 10: Erinnerungen
Wir haben uns angeschrieen, geschlagen und danach miteinander geschlafen.
Kaputt lasse ich meinen Blick durch das Hotelzimmer wandern.
Wir haben volle Arbeit geleistet.
Überall liegen Scherben und Sachen herum. Von dem Tisch tropft immer noch etwas herunter, was sich nach einer genaueren Betrachtung, als Bier herausstellt.
“Lauri!! Aki!!!“ Erol, der Sklaventreiber persönlich, steht vor der Tür. Er schlägt hart gegen diese und brüllt und tobt dabei herum, dass wir schon wieder verschlafen hätten, endlich aufstehen und hinmachen sollen.
Grummelnd wirst nun auch du munter.
“Morgen Schatz.“, meinst du mit einem zuckersüßen verschlafenen Blick auf mich.
Unser Streit von Gestern ist dann wohl vergessen.
War sowieso nur Mittel zum Zweck.
Ich gehe zu dir hin, gehe vor bzw. neben dir auf die Knie und küsse dich.
Mit einem lautem `Krach´ liegen Erol und Pauli bei uns im Zimmer. Sie haben die Tür aufgebrochen.
“Man ihr Zwei, wie seht ihr denn aus? Wie macht ihr das nur immer?“ Mit großen Augen sehen die beiden zu uns. “Los, geht euch duschen. Wir räumen schon etwas auf.“
Wie erheben uns. “Oh mein Gott.“, kommt von Erol und Pauli gleichzeitig.
Was haben die denn? Wir stehen doch nur nebeneinander.
“Ooh.“, entfährt es mir, als ich mich zu dir umdrehe.
“Oh man.“, kommt nun auch von dir und berührst mich sacht an der Stirn.
“Au! Scheiße.“
“Ja.“, werfen alle anderen als Antwort ein.
“Geht euch erst mal duschen, dann sehen wir, was wir mit euren ganzen Schrammen und was ist das denn?“ Erol kommt auf uns zu. “Brandflecke?! Seid ihr jetzt vollkommen übergeschnappt??? Ihr verbrennt euch gegenseitig? Oh man! Ab unter die Dusche mit euch und wehe, es werden noch mehr.“
Erol hat Recht. Dein ganzer Rücken ist voll damit.
Doch in meinem Bauch und meiner ganzen rechten Seite zieht es auch so komisch.
Ein Blick und ich weiß, dass es bei mir genauso aussieht wie bei dir.
Ob das an der Schläfe auch Brandflecke sind?
Mittlerweile sind wir im Bad und ich betrachte das erste Mal am heutigen Morgen ernsthaft deine Vorderseite.
“Oh.“, alles voller Schnitte, doch du zuckst nur mit den Schultern und ziehst mich hinter dir in die Dusche.
Ein Brennen erfasst meinen Körper, als Wasser auf die Wunden kommt. Es lässt mich zusammenzucken und aufstöhnen, doch deine Hände auf meinen Körper vertreiben dies.
Ich gebe mich völlig deiner Willkür hin. Genauso wie du dich immer meiner.

Noch ein letzter Kuss, dann gehen wir aus dem Bad heraus. Bereit uns der Standpauke von den anderen beiden und dem Management zu stellen.
Ich vergrabe meine Finger in deinem Unterarm. Sofort steigt die Lust in deinen Augen auf.
“Heute Abend.“, flüstere ich dir noch zu, nachdem Erol ins Bad geplatzt war und nun vor uns aus dem Bad heraus geht.
Du siehst mich an, drückst meine Hand, die ich weiter nach unten gleiten lassen habe und so folgen wir Erol dann.


Irgendwann bin ich dann wohl doch eingeschlafen.
Einige Minuten bleibe ich noch liegen und denke über den Traum nach, denn ich hatte.
Oh man, waren wir verrückt!
Jetzt ist keine Lust mehr dabei. Nur noch Schmerzen.
Nur noch sie bestimmt meinen Tagesablauf. Zumindest ziemlich oft. Nur ganz selten kann ich noch entscheiden, was ich tun und lassen möchte, ohne dass ich ihr Rechenschaft schuldig bin. Immer will sie wissen, was ich wann, wieso und wie gemacht habe. Als ob sie das was angehen würde.

Ob sie wohl schon wieder da ist? Müsste wohl.
Ich stehe auf, nehme mir einige Sachen aus dem Schrank und gehe ins Bad duschen, dann gehe ich in die Küche.
Kaffee. So, wo ist das Pulver?
Einen Schrank nach dem anderen durchwühle ich die Küche.
Hallo?? Zaubert sie sich den sonst immer von irgendwo her oder wo hat sie ihn versteckt?
Nichts. Auch im letzten Schrank werde ich nicht fündig.
Na toll.
Ich schnappe mir einen Stuhl und ziehe ihn zur Wand, dann lasse ich mich auf diesem nieder. Die Beine anziehend, mache ich es mir bequem.
Während ich warte, mache ich mir wieder über meinen Traum Gedanken.
Ob sie wohl von der Zeit auch Bescheid weiß?
Ich hoffe nicht, aber darauf angesprochen hat sie mich auch noch nicht. Mein Blick fällt auf die vielen kleinen weißen Narben die meine Arme zieren. Kurz darauf fällt mein T-Shirt, entblößt weitere. Sanft gleiten meine Fingerspitzen darüber.
Was sie wohl denkt, wenn sie die sieht?
Fügt sie mir deswegen Schmerzen zu?
Weil sie glaubt, dass es mir Freude bereitet? Ich Lust dabei empfinde?
Nicht mit ihr.
Mit ihr sind es nur Schmerzen. Nichts weiter. Keine Lust, kein Vergnügen.
“Lauri?“ Ich blicke auf. Sie steht vor mir. Berührt mich ebenfalls an den Narben. “Lauri…Was ist los? Warum weinst du?“ Ich weine? Erst jetzt bemerke ich, dass mir Tränen übers Gesicht laufen, von dort auf meinen Brustkorb tropfen und sich daraufhin einen Weg von meinem Körper suchen. “Es ist nichts.“
“Lauri…“
“Es ist nichts!“, fahre ich sie an, reise mich von ihr los und stürme in mein Zimmer, wo ich mich aufs Bett fallen lasse. Die Tür blauzt derweil zu.
Ich drehe mich auf den Rücken und starre an die Decke.

Kapitel 11: Los jetzt!
“Lauri?! Zieh dich an und mach dich fertig. Ich will ausgehen.“ Müde drehe ich meinen Kopf zu ihr. Sie steht an den Türrahmen gelehnt und sieht mich mit kaltem Blick an. Genauso langsam drehe ich meinen Kopf wieder zurück. Weg von ihr. In ihren Augen, die wieder normal weiß sind, ist nichts zu erkennen. Sie hat alle Gefühle ausgeschaltet. Ob sie nun wütend ist oder nicht ich weiß es nicht und ich kann es auch nicht an ihren Augen erkennen. Doch ich denke mal jetzt ist sie eher stock sauer, dass ich nicht sofort aufspringe und ihren Wunsch erfülle.
“Lauri!“ Diesmal reagiere ich gar nicht erst. Ziemlich lebensmüde von mir, aber wie gesagt, was hält mich denn noch hier? “Lauri!!! Jetzt komm in die Gänge.“ Sie bewegt sich auf mich zu. Kommt mir immer näher. Lässt sich aufs Bett fallen und kuschelt sich an mich heran. Wieder schließe ich meine Augen. Verschließe mich vor der Realität.
Eine Hand-ihre Hand wandert über meinen Bauch.
Meine Rechte stoppt ihr Vorhaben meinen Oberkörper hinauf zu wandern, doch anstatt, dass ich sie wegstoße, lasse ich meine Hand auf ihrer liegen.
Meine Augen halte ich weiterhin geschlossen.
“Vermisst du ihn so sehr?“ Kurzzeitig stockt mein Atem, bevor er gleichmäßig weiter geht.
Mein Gesicht drehe ich von ihr weg.
“Dann…dann…“ Sie räuspert sich kurz. “…such dir doch jemanden, wenn…wenn du…“ Ich springe auf. Wieder blauzt meine Zimmertür.
Diesmal stürme ich ins Wohnzimmer. Dort lasse ich mich auf die Couch fallen. Mache es mir wieder bequem. Kann sie nicht einmal ihre Klappe halten? Damit aufhören immer noch weiter in der Wunde bohren. Ist das denn zuviel verlangt, wenn ich schon mit hier bleiben muss?
Meine Wut ist wieder da. Die Wut auf sie, auf mich und die verdammte Situation in der ich mich befinde. “Zieh das an! Flott jetzt.“ Sie wirft mir die Sachen die ich anziehen soll voll ins Gesicht. Blöde… “Ja?“, fragt sie mich mit einem gefährlichem Unterton. Ich presse meine Kiefer aufeinander, dass mir ja kein falsches Wort herausrutscht. Das würde ich jetzt nicht mehr verkraften und sofort zusammenbrechen. “Wird’s heut noch?“ Ach ja, Umziehen. Warum verschwindet sie nicht? Auffordernd sehe ich sie an, doch sie lehnt sich nur an die Wand. Es sieht nicht so aus, als würde sie gehen. Will sie etwa, dass ich mich vor ihr umziehe? “Vergiss es.“ Mir die Sachen vom Sofa schnappend gehe ich zur Tür. Wenn sie nicht geht, muss ich halt gehen. Ich rüttel an der Tür, nachdem sie durch einfaches klinken nicht aufgegangen ist, aber auch dadurch gibt die Tür nicht nach und geht auf. Sie lässt mich nicht gehen. “Lass mich raus.“ Sie zieht nur eine Augenbraue hoch. “Bitte, lass mich.“, meine Stimme ist toll weinerlich. Flehend sehe ich sie an und setzte noch ein “Biittee!“ hinzu. Was muss ich denn noch tun, damit ich nicht… “Mir gehorchen.“ Das Türschloss klickt und die Tür schlägt mir in den Rücken.
Noch bin ich nicht draußen. Noch ist es nicht ausgestanden. Ich soll gehorchen?! Wenn ich ihr gehorchen soll, gehorchen sollte, muss ich ihr Erlaubnis abwarten. Wie sagt sie immer so schön, ich gehöre ihr… “Du kannst gehen. Zieh dich um und komm dann wieder her, wenn du fertig bist.“ Das war’s schon? Nur einmal stehen bleiben und die Sache ist erledigt? Was beschwere ich mich? Schnell weg. Sofort gehe ich ins Bad.
Was haben wir denn da? Schwarze Hosen und ein schwarz-blaues Shirt. Sieht ja an sich nicht schlecht aus, aber… Ich lasse mich auf der Wanne nieder.
“Lintu! Umziehen.“ Ups, das habe ich ja schon wider voll verdrängt.
Beim Aufstehen knöpfe ich mir schon mal meine Hose auf. Sofort rutscht diese weiter nach unten.
Von den Füßen strampeln und die andere an.
Warum ich die nicht einfach anlassen konnte?
T-Shirt wechseln , schminken und fertig.
Ich gehe zurück ins Wohnzimmer. Bereit mich ihr zu stellen.
Was das wohl wird?
“Nichts besonderes. Nur ein Essen mir Freunden.“ Sie sieht mich vom Sofa aus, wo sie sitzt und auf den Boden gestarrt hat, zu mir. “Oh ähm Lauri…sie wissen nicht, dass…dass ich… “Sie sieht wieder auf den Boden.
Was wissen sie nicht? Ich verstehe gerade Gar nichts.
In ihrer Hand formt sich ein kleiner Energieball. Ooh, ich verstehe. “Lauri, würdest du bitte lieb sein und dich benehmen? Bitte.“ Sie sagt bitte???
Ok, weil sie bitte gesagt hat. Nur deswegen! Ich nicke ihr zu.
Sie lächelt mich glücklich an. Das steht ihr viel besser, als dieser ständige ernste Gesichtsausdruck.
Sie streckt ihre linke Hand nach mir aus.
Als wäre ich nicht ich selbst, ergreife ich sie sofort ohne zu murren oder Widerstand zu leisten.
War ich nicht eigentlich sauer?
Schon stehen wir vor einer Gaststätte. `Zur grünen Linde´
“Lauri.“ Sie hält mir mein Portmonee hin. “Ich bin heute mit Bezahlen dran.“ Ich greife danach und stecke es ein. Nebeneinander gehen wir dann hinein.

Den ganzen Abend lacht und scherzt sie mit ihren Freunden. Mich behandelt sie weitgehend normal. Keine Anweisungen was ich machen soll oder `Stromschläge´. Sie bindet mich sogar normal mit in die Gespräche ein, nur einige Blicke die sie mir immer wieder zuwirft, kann ich nicht deuten. Solche habe ich noch nie von ihr gesehen.

Kapitel 12: Am nächsten Morgen
Aauu, mein Kopf platzt. Und ich habe durst.
Ganz langsam stehe ich auf. Mir ist schlecht. Mir leiert es.
Ganz langsam gehe ich aus meinem Zimmer raus und in die Küche.
Was habe ich den gestern noch alles getrunken? So viel kann es doch gar nicht gewesen sein.
Sie sitzt oder hängt eher bereits am Tisch. Vor ihr steht ein halb volles Glas Wasser und eine Schachtel Aspirin.
“Mo…“ Sie hebt eine Hand und ich verstumme. Mit ihrer linken holt sie ein Glas aus dem Schrank und lässt es auf sich zu schweben. Ich schüttel den Kopf, doch da mir dadurch nur noch mehr schlecht wird, unterlasse ich das ganz schnell wieder. Nachdem ich noch fünf schritte gegangen bin, lasse ich mich auf den Stuhl nieder.
In das nun mit Wasser gefüllt Glas lasse ich eine der Tabletten fallen, welche sich auch sofort leise blubbernd und fauchend auflöst. Noch ein paar Sekunden beobachte ich wie die kleinen Blasen von dem Glasrand aufsteigen nur um dann an der Oberfläche zu zerplatzen, dann nehme ich das Glas und trinke es in einem Zug leer. Bääh. Widerlich. Hauptsache es hilft jetzt wenigstens.

Kapitel 13: Resigniert
“Und was steht heute noch so an?“, frage ich sie während ich mir noch die Haare mit einem Handtuch trocken rubble. “Von acht bis 10 Party bei Seevii, dann hast du ein Date mit
Klaus Kosakowski und dann gehst du evtl. zurück auf die Party.“
“Oh aha und wer ist dieser Klaus Kosakowski?“ Sie sagt mir, dass es ein spezieller Freund von ihr ist denn ich hier her zu uns lotsen soll. “Oh und Lauri. Ich werde auf der Party Kopfschmerzen haben, aber ich möchte nicht, dass es jeder gleich weiß.“ Ich weiß schon, was sie damit wieder ausdrücken will. Sie wird einen auf tapfer machen und ich soll mich rührend um sie kümmern und es heimlich verbreiten damit sie dann einen Grund hat von der Party zu verschwinden. Ich nicke zum Zeichen, dass ich es verstanden habe und gehe dann in mein Zimmer. Die Tür lasse ich offen.
“Irgendwelche speziellen Wünsche?“, frage ich sie laut als ich mich nicht entscheiden kann was ich anziehen soll. “Nein, irgendwas bequemes, aufreizendes lieber nicht zu sehr.“ Na toll, das habe ich mir auch schon gedacht. “Geht’s genauer? … Ist das was offizielles oder einfach nur so?“ Sie kommt in mein Zimmer und lässt ihren Blick begehrlich über meinen nur mit einem Handtuch bedeckten Körper wandern. Dieser Blick macht mir schon lange nicht ´s mehr aus, doch berühren lasse ich mich immer noch nicht gern von ihr oder von irgendwelchen anderen Leuten. “Puh, keine Ahnung. Wie wäre es mit den neuen blauen Jeans und diesem schwarzen Hemmt mit den silbernen Längsstreifen?“ Ich zucke nur mit den Schultern und ziehe das Gesagte aus dem Schrank. Voller Verlangen mustert sie mich, bis sie sich schließlich doch umdreht und geht. Ein Blick auf meine Arme verrät mir, dass ich überall Gänsehaut habe. Auch wenn es mir nichts mehr ausmacht, wenn sie mich so sieht, wohl ist mir unter ihrem Blick nicht unbedingt.
Und es wird auch nicht besser.
Eher schlimmer.
Es kommt mir immer so vor, als würde ich ihn betrügen. Obwohl das doch eigentlich Schwachsinn ist. Er ist tot und ich bin an sie gebunden. Seit meinem Selbstmordversuch sogar noch mehr als vorher, doch gebrochen hat sich mich erst danach.
Vier Jahre lang permanent schmerzen. Das war einfach irgendwann zuviel.
Zu Aki darf ich nur noch mit ihrer Erlaubnis und selbst dann habe ich das Gefühl, dass sie in der Nähe ist und mich kontrolliert.



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